Teachers of Instagram

Ich habe mir wirklich lange Gedanken darüber gemacht, ob ich darüber schreiben soll oder nicht: Die Instagram-Lehrer. Und ich möchte gleich vorab klar stellen: ich möchte niemandem zu Nahe treten und schon gar nicht jemandem, den ich nicht mal persönlich kenne. Aber ich habe mir nun über einen längeren Zeitraum eine Meinung gebildet zu den immer glücklichen, immer arbeitenden, ständig für die Schüler (und Kollegen!!!!) bastelnden Kolleginnen, die ihre gesamte Freizeit damit zu verbringen scheinen, Materialien zu suchen, umzuändern, zu erstellen und das alles in sozialen Netzwerken darzustellen- im rechten Licht natürlich, mit Filter drüber. Es soll ja perfekt sein.

Am Anfang war mir gar nicht so bewusst, dass die Kategorie “Lehrer” bei Instagram genauso geheuchelt ist, wie die Kategorie “Fitness” oder “Blogger”, denn, seien wir mal ehrlich: Auch ich profitiere mitunter von dem Bastelwahn und der scheinbar unendlichen Freizeit meiner Kolleginnen und bin auch über alle Maßen dankbar dafür, wenn ich weiß, dass die nächste Idee für den Kunstunterricht nur ein paar Klicks entfernt lauert. Auch das tolle Zaubereinmaleins einer tollen Kollegin ist Gold wert und ich finde es toll, wenn kreative Menschen ihre Ergebnisse teilen und bin dann auch gerne bereit, dafür einen Beitrag zu zahlen.

Was ich allerdings schwierig finde, ist die Flut an ähnlichen Materialien, bunten Bildchen und allerhand überflüssiger Materialien. Auch findet sich auf den Insta-Profilen vieler Lehrer mittlerweile, so scheint es mir, nur allzu viel Werbung (hier ein Testpaket eines Klebestoffherstellers, da eines von einem Verlag). Es ist toll, wenn ihr Angebote teilt und uns alle aufmerksam macht unter dem Motto: “Übrigens, Kollegen, wenn man bei xxx freundlich nachfragt, schicken die einem Testprodukte zu.” Danke. Ist hilfreich. Werbung dafür allerdings, sollte als solche gekennzeichnet werden.

Und überhaupt: Irgendwie scheint meine (also die jüngere *hust hust*) Generation unserer Berufsgruppe wie alle anderen das dringende Bedürfnis haben, sich mit anderen zu messen. Woher kommt das? Daher, dass wir im Referendariat gelernt haben, dass eine gute Unterrichtsstunde beladen sein muss mit Zauberhut und Konfettikanone? Dadurch, dass wir die Schüler nicht mehr miteinander vergleichen dürfen? Daher, dass wir- auch wenn es nicht so sein sollte- dank VERA, Kermit und wie die Vergleichsarbeiten alle heißen, doch irgendwie mit verantwortlich gemacht werden für die Ergebnisse? Versuchen wir uns selbst hinwegzutäuschen, über katastrophale Unterrichtsstunden, über Schüler, die einfach nicht hören wollen und Eltern, die beratungsresistent sind? Brauchen wir das, um uns und allen anderen zu beweisen: Hey guck mal, ich bin fleißig, ich arbeite viel, ich habe mir die 13 Wochen Ferien im Jahr verdient (und sowieso: Von den 13 Ferienwochen arbeite ich ja 10 und habe somit viel weniger Urlaub, als alle anderen Berufsgruppen)?!

Diese Vergleichshysterie fiel mir erst wirklich auf, als vor einigen Monaten Kolleginnen von mir auf Instagram eine Challenge ins Leben gerufen haben, auf der alle Lehrerinnen, die wollten, an jedem Tag zu einem bestimmten Hashtag etwas posten konnten. Die Bandbreite war riesig: Vom ersten Schultag über die Schultasche, den Schreibtisch, Ämterplan bis zum Outfit war so gut wie alles vertreten, was das Lehrerherz höher schlagen lässt. Und ich habe mitgemacht, mir überlegt, was ich am nächsten Tag posten könne und bei jedem zweiten Bild blieb das Gefühl zurück, es nicht drauf zu haben. Meine Bilder waren unkreativer, meine “Higlights im Klassenzimmer” waren zu Mainstream, meine Rituale zu “normal” und meine Lieblingskreide zu weiß. Zudem wurde nie auch nur eines meiner Bilder von den Initiatorinnen der Challenge zu den “Best of”´s berufen. Ich begann an mir zu zweifeln und aus lauter Frust gab ich es auf, weiter Teil dieser Challenge zu sein. Zurück blieb ich mit meinen drei neuen Followern und der Erkenntnis: Wie alles bei Instagram gilt auch bei Lehrern “Alles ist mehr Schein als sein.”

Allen Kolleginnen und Kollegen, die jetzt das Referendariat beendet haben und erstmals als “richtige Lehrer” starten: Deine Pinguin-Klasse juckt es nicht, ob auf jedem Materialteildingsbums ein Pinguin drauf ist. Die Wochenpläne müssen nicht mit bunter Farbe gedruckt sein (ein Drittel der Kids verbummelt, zerschnippelt oder zerknüllt die eh). Die Eltern ändern ihr Verhalten nicht, weil das Gesprächsprotokoll für Elterngespräche auf nach Rosenwasser duftendem Briefpapier gedruckt ist. Deine Kollegen brauchen keine individuellen Geburtstagsgeschenkekörbchen- kauf ´ne Flasche Bio-Wein im Drogeriemarkt! Klar, du kannst deine Freizeit für den Job opfern. Du kannst die Lehrerin mit den meisten Likes auf Instagram sein. Du kannst deinen Job nach außen hin lieben. Aber das alles macht dich nicht zu einer guten Lehrerin. Das macht dich nicht mal zu einer glaubwürdigen Lehrerin- eher im Gegenteil.

Das Lehrerleben ist nicht nur Singen, Klatschen und Kuchenbacken. Es ist anstrengend, es ist nervenaufreibend, es lustig, es ist abwechslungsreich, es ist spannend. Aber es ist nicht perfekt. Also tu´nicht so! Hab Freizeit und keinen Burnout!

 

#fürmehrrealitätiminternet

 

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Schülerfeedback

Das Schuljahr nähert sich dem Ende und bald gibt es für die Kinder Zeugnisse. Daher wollten Frau Radieschen und ich auch von unseren Kindern wissen, welches Zeugnis sie uns ausstellen.

Schülerfeedback ist wichtig, un das eigene Verhalten zu überprüfen, den Unterricht zu verbessern und den Kindern in einer demokratischen Gesellschaft das Recht einzuräumen, sich nicht einfach mit ihren Lehrern zufriedengeben zu müssen ohne ihre Wünsche und Bedürfnisse mitteilen zu dürfen. Das setzt voraus, dass die Lehrer das Feedback ernst nehmen. Das tun wir.

Um die Schüler erst einmal an eine Evaluation heranzuführen, haben wir uns auf vier Hauptfächer beschränkt und auf sechs Bewertungskriterien geeinigt*, die für die Drittklässler verständlich sind. Bewerten sollten die Schüler anhand von Smileys, die sie von Tests und ihren Zeugnissen kennen. Außerdem hatten sie die Möglichkeit uns zu schreiben, was ihnen besonders gut gefällt und was der Lehrer verbessern kann. Ob sie ihren Namen raufschreiben wollten oder nicht, durften die Kiddies sich aussuchen. Den Kindern hat es großen Spaß gemacht und manchmal war es anscheinend gar nicht so einfach.

“Ich kam mir vor wir ein Lehrer-Lehrer. Manchmal konnte ich mich gar nicht zwischen zwei Smileys entscheiden.”

“Bei mir hängt das auch manchmal von meiner Laune ab, ob ich Lust auf Mathe hab. Ich habe Angst, dass du dann traurig oder sauer bist, wenn ich nicht den besten Smiley ankreuze.”

“Ich mag Deutsch einfach nicht, das liegt aber nicht am Lehrer. Das habe ich dann dazu geschrieben.”

“Ich finde, das einzige, was du verbessern musst, ist, dass Tarik nicht so viel stört.”

Tatsächlich werden die vier großen Fächer in unserer Klasse von vier verschiedenen Lehrern unterrichtet und ich hoffe, dass die anderen Lehrer das Feedback ernstnehmen, aber Tipps wie mehr Filme gucken nicht. Deutlich wurde auch: Wenn die Schüler-Lehrer-Beziehung insgesamt stimmt, die Schüler sich geschätzt und ernstgenommen fühlen, ist auch das Feedback besser. Ehrlich, Leute, wir haben viel gekämpft dieses Schuljahr und die Klasse ist wahrlich nicht immer einfach, aber dieses viele Lob und die wenige Kritik sind alle Anstrengung wert. 
*Quelle: Die Bewertungskriterien habe ich auf dem Instagram-Account von @grundschullehrer_pete gefunden.

Nach müde kommt doof

An unserer Schule pflegen wir die wundervolle Kultur, unseren Kollegen mitzuteilen, was sie im Unterricht machen sollen, sollten wir vertreten werden müssen. Melde ich mich krank, schreibe ich in eine E-Mail was ich geplant habe und wo die Materialien zu finden sind (da wir uns alle ausschließlich in der Schule vorbereiten, ist das auch kein Problem). Dies bedeutet zwar, dass man immer ein wenig vorausplanen muss -Kranksein kann man ja nicht planen-, aber erleichtert allen im Ernstfall die Arbeit. Okay, klar, es gibt Kollegen, die nehmen es nicht ganz so Ernst…aber die sind die Ausnahme. 

Letzte Woche habe ich dann, zwischen Zeugnisseschreiben und Elterngesprächen, eine Stunde vorbereitet, von der ich wusste, ich werde dort vertreten werden, weil ich auf eine Fortbildung musste. Ich scheine dabei irgendwie…hmm…woanders gewesen zu sein. Denn als ich in der Fortbildung saß,  schrieb mir Frau Radieschen eine Nachricht: “Ich weiß, mein Englisch ist nicht wirklich gut und ich musste die Aussprache googlen, aber ich bin ziemlich sicher, das hier etwas nicht stimmt:”

…und anbei folgende Fotos: 

Zwar habe ich mich halbtot gelacht, aber ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Vermutlich war ich sehr, sehr müde. Zum Glück habe ich nun ein arbeitsfreies Wochenende vor mir. Die Kinder werden es mir am Montag danken. Oder? 

Lieblingsmilch

Bei mir dreht sich im Moment alles darum, meine Terrorkrümel wieder auf “nett” zu trimmen. Beleidigen und Handgreiflichkeiten sollen der Vergangenheit angehören. So ermutigen wir die Kinder zum Beispiel immer wieder dazu, auch “positive” Post in den Klassenbriefkasten zu werfen und nicht nur Meckerbriefe. 

Umso schöner ist es, wenn dann aus heiterem Himmel etwas passiert, wobei die ganze Klasse gemeinsam augelassen lachen kann.

“Aaaaaany more questions?”

Lara: “Also, hab ich das jetzt richtig verstanden? Wir sollen in den Korb das Obst und in das Trinkpäckchen Juice oder Milk schreiben?”

“Ja, mit dem Obst. Dan!”

Dan: “Achso in das Trinkpäckchen das Obst und in den Korb die Getränke? Hä?”

“Nooo! Andersherum! Stella!”

Stella: “Ah okay, und was schreib ich dann in das Trinkpäckchen?”

“Soooo, noch mal für alle zum Mitschreiben…”

Hugo: “Wir haben aber gar keinen Stift!”

“In den Korb schreibst du das Obst. Das findest du in der Box. In das Trinkpäckchen schreibst du die Obstsorte kombiniert mit MILK oder JUICE. Zum Beispiel BANANA MILK oder APPLE JUICE. Boris!”

Boris: “Ich hab da noch ‘ne Frage. Nee, nee, nicht die. Meine Lieblingsmilch ist ja laktosefreie Milch. Auf welche Linie schreib ich das jetzt?”

Ich liebe die lieben Lieben

Heute hatte ich einen genialeren meiner Einfälle (denn ich gebe ungeniert zu, dass auch meine Ideen und Gedanken häufig eher denen eines bananenpulenden Pudels ähneln). Als wir heute im Klassenrat Vorschläge für unsere “Positive Runde” gesammelt haben, hat Lara -ein ganz tolles, empathisches, sensibles Mädchen- vorgeschlagen, dass jeder einem neuen Schüler seiner Wahl, sagt, was er an ihm oder ihr mag. Weil ich fand, dass alle so etwas verdient haben und ja die Gefahr bestand, dass so einer der neuen vielleicht gar kein Kompliment bekommt, habe ich vorgeschlagen, dass jeder seinem rechten Sitznachbarn etwas Nettes sagt. Als dann mein Vorschlag angenommen wurde und Sven-Leon realisierte, wer rechts neben ihm saß, rief er laut: “Ihhhhh!”, und rutschte theatralisch zur Seite. Ich dann, fuchsteufelswild: “So, Sven-Leon, du meinst, dir fällt zu Tabita nichts ein? Ha! Hier, hast du ‘nen Zettel und ‘nen Stift. Du schreibst jetzt über jeden deiner 25 Mitschüler einen unterschiedlichen NETTEN SATZ auf. Und: zu deinen drei Klassenlehrern auch. Und vorher brauchst du gar nicht wiederkommen…!”

Sven-Leon also raus aus der Klasse. Wir also losgelegt mit netten Worten. Hach, war das schön! Klassenkasper Moritz hatte sogar Tränen in den Augen und die Schülerin, die rechts von mir saß, hat ganz stolz geguckt. Ich wurde gelobt, weil ich fast nie wegrenne, wenn die Mädels kuscheln wollen, ich voll nett bin und die beste Lehrerin der Welt (mit Frau Radischen).” Leider habe ich das Ende der Stunde verpasst, aber Frau Radischen berichtete mir später, dass Sven-Leon sich echt Mühe gegeben hat und ihm am Ende die ganze Klasse applaudiert hat. Ich habe den Zettel gelesen. Da steht:

“Frau Radischen kann gut Deutsch.”

“Frau K. kann gut Englisch.”

Na, wenn das nix is! 

Da muss man wohl dabeigewesen sein! 

Da bin ich wieder: gestresst, glücklich, relaxed, wütend, müde, overexcited…alles auf einmal, eins nach dem anderen. (Übrigens gar nicht mal so ferienreif- es fühlt sich ein wenig so an, als gehöre ich zu den Glücklichen, die Osterferien hatten).

Während ich dank der Kinder meine Liebe zum Kunstunterricht entdecke, werde ich mir auch immer klarer darüber, warum die Terrorkrümel meinen Matheunterricht gar nicht sooooo schei… doof finden, wie in den letzten Sommerferien noch befürchtet: Ich erkläre es einfach für Doofe. Naja, den 50% die es eh können, erkläre ich es gar nicht. Aber der kleineren Hälfte (hahaha, verstehste?!?!?), die echt Probleme hat, erkläre ich das so, wie es mir damals mal jemand hätte erklären sollen. 

Und Kunst: Wow! Die Kinder lieben es! Also wirklich. Fällt es aus, maulen sie. Wissen sie, eine Vertretung wird kommen, sind sie besorgt, ob die auch Kunst machen wird. Ist die Stunde vorbei, fluchen sie. Und als ich ihnen letzte Woche unterbreitete, dass wir ihre Belohnung (Filmguck-Kuschelstunde) in der Kunststunde einlösen werden, waren sie sich nicht so sicher, ob sie das wirklich gut finden sollen (so toll finden sie Mathe dann auch nicht, als dass sie die Stunden nicht für einen Film opfern würden…). 

Vielleicht lag das auch daran, dass sie unseren Klassenlachflash noch verarbeiten mussten. Es ist nämlich so, dass den wirklich coolen Jungs der Klasse manchmal plötzlich einfällt, dass sie mich eigentlich ganz nett finden, obwohl sie mich blöd finden wollen. Und dann nach zu viel Spaß, wieder irgendetwas zum Meckern finden müssen:

– “Okay, und bevor wir uns verabschieden, …”

In dem Moment fliegt die Tür auf, Aaron und Ron kommen nach einer Streitklärung hereingepoltert. 

Aaron ruft: “Streit geklärt.”

Ron wirft die Arme in die Luft und brüllt: “Überhaupt nicht.”

Ich (hasse es, wenn Schüler laut in die Klasse kommen und meinen Unterricht stören- und das wissen sie ganz genau) fauche laut meckernd: “Sofort raus! Und kommt leise wieder rein! Aaaaalso: Bevor wir uns verabschieden machen wir den Abschlusskreis. Was hat dir heute am besten gefallen? Rina!”

In dem Moment geht die Tür leise auf und Aaron und Ron kommen durch die Tür, schleichend wie Indianer und walisch flüsternd wie Dori von “Findet Nemo”.

Aaron: “Wiaaaaa haaaa-aaaaaben den Straaaaaa-iiiiiiiiiit geeeeeeklääaaaaaaat.”

Ron: “Üübeeeeeeerhaaaaaaaaaaupt niiiiiiiiicht.”

Ich glaube, man muss dabei gewesen sein, aber Ich hab mich nicht mehr eingekriegt. Die Abschlussrunde war gelaufen, weil die Kiddos und ich uns vor Lachen gekringelt haben. 

Mich plagt der Gedanke, ob sie das draußen abgesprochen haben. Aber eigentlich ist es auch egal…

Aaaaaaabeeeeer guuuuuuckt maaaa-aaaal: Uuuuuunsereeeee Kuuuuuunstweeeeerke! 

Unser Fasching

In welchem Job außerhalb der Karnevalhochburgen, kann man verkleidet zur Arbeit gehen? Richtig: Als Lehrerin und Erzieherin. Und wie haben Frau Radischen und co. darauf hingefiebert! Und dann war es soweit: Die Schule war eine fabelhafte (im wahrsten Sinne des Wortes) Fantasiewelt. Leider war aber eine Schülerin aus der 1.Klasse krank und weil sie nicht mit ihrer Klasse zum Schwimmen durfte, war sie bei uns in der Dritten und fragte:

“Ich war ja bei Fasching nicht da, kann mir  jemand nicht mal die Hochpunkte verraten?”

Kiara-Belle meldet sich. 

“Ja, Karamell!”

“Mir hat bei Fasching am besten gefallen, dass wir mit allen Kindern und Lehrern die Bolognese durchs Schulgebäude gemacht haben.”


An dieser Stelle geht ein riesen Dank an die Eltern der ersten Klasse, die mit sehr viel Liebe, Mühe und Zeit unser Schulgebäude dekoriert haben.

Liebe Eltern…

…ihr könnt doch nicht um 7:00Uhr euer Kind in der Schule abgeben und bis 17:00Uhr in der Betreuung lassen und euch dann beschweren, dass es sich langweilt.

Ihr könnt es doch nicht am Nachmittag und Wochenende vorm Fernseher oder iPad parken und euch dann in der Schule beschweren, dass man dem Kind das Lesen nicht beigebracht hat.

Ihr könnt doch nicht fremden Kindern drohen, weil es euer Kind geärgert hat und dann behaupten, die Schule mache euer Kind aggressiv.

Ihr könnt doch nicht Lehrer beleidigen und dann in aller Seelenruhe nach Hause fahren- Lehrer nehmen Kritik in der Regel ernst und “Probleme” durchaus mit in den Feierabend und manchmal auch ins Bett. 

Ihr könnt doch nicht eurem Kind als Frühstück eine Tüte Croissants mitgeben und dann behaupten, es liege am langweiligen Unterricht, dass es sich nicht konzentrieren kann.

Ihr könnt doch nicht zu Hause über die Lehrer eures Kindes lästern und damit begünstigen, dass euer Kind seinen Lehrern gegenüber respektlos ist und dann “Scheiß Schule!” schreien.

Ihr könnt doch nicht eurem Kind sagen: “Wenn du gehauen wirst, hau sofort zurück!”, und dann behaupten, die Schule habe ein Aggressionsproblem.

Ich bin manchmal erschüttert, wenn ich Berichte in Zeitungen lese oder Geschichten meiner Kollegen lausche. 

Liebe Eltern, 

danke, dass ihr eurem Kind ein gesundes Frühstück mitgebt.

Danke, dass ihr die Schule ernst nehmt und euer Kind beim Lesenlernen und dem Einmaleins unterstützt. 

Danke, dass ihr euer Kind ermutig, sich mit Problemen dem Lehrer anzuvertrauen.

Danke, dass ihr eurem Kind zutraut, einen Streit alleine zu klären.

Danke, dass für euch nicht jede Streiterei gleich Mobbing ist.

Danke, dass ihr den Lehrern eures Kindes vertraut und ihnen zwischendurch mal für die harte Arbeit dankt, die sie jeden Tag leisten.

Danke, dass ihr uns helft, immer wieder gerne zur Arbeit zu gehen und nicht aufzugeben! 

…and other Stories.

Es gibt ja nicht nur mein Klassenzimmer. Es gibt ja auch noch das von Frau W., dass von Herr Z. und das von Frau H. 

Es gibt ja auch nicht nur meine Schule. Es gibt da noch eine im Süden der Stadt, eine auf der anderen Straßenseite und eine neben dem großen Rewe-Markt.

 Schule besteht ja auch nicht nur aus Klassenzimmern. Da gibt es noch die Mensa, die Turnhalle, das Lehrerzimmer und das Referendariat. So ein Lehrerleben besteht ja auch nicht nur aus unterrichten, trösten und schlichten.

Nein, dazu gehört auch ein Privatleben, in dem wir, geben wir es zu, zu 80% über die Arbeit reden. Besonders, wenn man mit Lehrerfreunden zusammentrifft. Ich mag das. Denn da lernt man auch Geschichten aus fremden Klassenzimmern kennen- oder eben aus Turnhallen, wie in dieser kurzen Geschichte meiner Freundin Frau H. von der Schule neben dem großen Rewe-Markt: 

Im Sportunterricht der 2.Klasse rennt Samira auf Frau H. zu. In den Händen hält sie auf Brusthöhe zwei gelbe Gymnastikbälle und ruft:   “Frau H., die Jungs wollen immer mit denen spielen. Aber das geht doch nicht, die sind doch voll hart.” 

Danke Frau H., your story made my day!