Schulkleidung

Nicht zu verwechseln mit Schulkleidung: Schuluniformen

An unserer Schule haben wir ein besonderes Profil, welches auch das Tragen von Schulkleidung vorsieht. Zum Verständnis: Schulkleidung meint nicht das gleiche wie Schuluniform. Während bei Schuluniformen, wie man sie z.B. aus Groß Britannien kennt, das komplette Outfit vorgeschrieben ist, von den Schuhen, über die Beinkleidung bis hin zu den Oberteilen, ist bei Schulkleidung meist nur die Oberbekleidung festgelegt. Bei uns an der Schule können die Kinder bzw. Eltern aus verschiedenen Oberteilen und Farben wählen: T-Shirt, Polo-Shirt, Pullover, Kapuzenpulli, College-Jacke und ein Kleid…und Sportkleidung, die ab der 3. Klasse auch komplett Schulkleidung sein muss. Diese bestellen sie immer in einem bestimmten Shop, damit das Logo der Schule und wenn gewünscht, der Name des Schülers mit auf die Kleidung kommt. Ich finde es gar nicht mehr befremdlich und finde, dass die Vorteile von Schulkleidung definitiv überwiegen:

Schulkleidung schafft Gemeinschaft- an unserer Schule legen wir einen großen Wert auf Zusammenhalt und Identifikation mit unserer Schule. Schulkleidung leistet da einen wichtigen Beitrag. Die Vorschüler erkennen auch die Elftklässler und umgekehrt. Sie fühlen sich somit verantwortlich füreinander- auch, wenn z.B. ein Mitschüler, den sie gar nicht kennen, im Bus geärgert wird. Es entsteht ein WIR-Gefühl und das Sicherheitsgefühl in der Schule steigt, da schulfremde Personen schnell von allen identifiziert werden können.

Obwohl wir eine Privatschule sind, haben wir, und darauf sind wir stolz, alle sozialen Schichten und Herkunftsländer an der Schule. Vom Hartz4-Empfänger zum Taxifahrer, über Ärzte bis hin zu Managern von internationalen Unternehmen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern ist alles vertreten. Dank der Schulkleidung sehen weder Mitschüler noch Lehrer und andere Eltern den Kindern anhand der Kleidung die (soziale) Herkunft an (nicht, dass man das immer kann!). Den Kindern wird also erstmal ohne Vorurteile begegnet, da das soziale Gefälle kaschiert wird.

Kinder lernen von vornherein, dass es nicht auf die Kleidung ankommt und Menschen nach dem Charakter beurteilt werden sollten. Und: da das Konkurrenzverhalten durch Schulkleidung gehemmt wird, kann es am letzten Ende auch für die Eltern Geld sparen. Letztendlich müssen die Eltern nur wenig zusätzliche Kleidung für die Ferien und die Wochenenden kaufen. Interessant: dadurch, dass die Schüler Schulkleidung tragen, wird auch untereinander weniger darauf geachtet, von welcher Marke die Schuhe, die Handys usw. sind. Das gilt natürlich nicht immer und für jeden, ist aber im Vergleich zu meiner Schulzeit ohne Schulkleidung deutlich wahrzunehmen.

Auch hat es ganz klar einen werbenden Effekt. Es ist beeindruckend, wenn bei einem Schulausflug die Schüler die gleiche Kleidung tragen. Sie repräsentieren also immer die Schule und damit auch die Werte, die die Schule vermitteln möchte.

Natürlich ist Schulkleidung nicht die Antwort auf alle Probleme, die eine Schule haben kann.

Auch mit Schulkleidung kann es zu Mobbing kommen. Die “Gründe” verschieben sich nur. Es ist dann zwar nicht die Kleidung, aber die Stimme, die Pickel usw. Aber wenn der Fokus bei Schulen wie bei unserer so sehr auf Gemeinschaft liegt und das durch Schulkleidung noch verstärkt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mobbing stattfindet, nach meinem Gefühl und meiner Erfahrung, schon geringer.

Einen hingegen wichtigen Aspekt, der gegen Schulkleidung sprechen könnte, finde ich den, dass es die Persönlichkeitsentwicklung einschränken kann. Diese vollzieht sich, dass wissen wir alle aus eigener Erfahrung, auch über das Aussehen: mit Hilfe von Kleidung rebellieren wir, passen uns an, grenzen uns ab. Dafür müssen pubertierende Schüler von Schulen, an denen es Schulkleidung gibt, ein anderes Ventil finden. Dieses kann unterschiedlich aussehen. Schulkleidung lässt keine Unterschiede zu. In Zeiten von individueller Förderung wird so eine optische Einheitlichkeit angestrebt, die vermuten lässt, dass gar kein Platz für Unterschiedlichkeiten ist. Das ist aber ein Trugschluss – zumindest an unserer Schule. Alle sind verschieden und das schätzen wir, nur liegt beim Anderssein wieder der Fokus eher auf dem Charakter, Leistungsstand usw. als auf dem Aussehen (wobei auch hier noch genügend Unterschiedlichkeiten zu sehen sind).

Besonders ab der siebten Klasse, pünktlich zur Pubertät also, beschweren sich die Schüler regelmäßig über Schulkleidung- interessanterweise nur die, die schon lange auf unserer Schule sind. Die “neuen” Kinder wissen die Vorteile häufig zu schätzen, haben sie doch zumeist schon (negative) Schulerfahrungen hinter sich, auf Grund derer sie die Schule gewechselt haben.

Auch für mich wiegen die Vorteile schwerer. Ich finde es mittlerweile fast merkwürdig, wenn ich an anderen Schulen hospitiere und die Kinder dort “normale” Kleidung tragen. Wenn es der Schule gelingt, mit der Schulkleidung modern zu bleiben und auch auf wünsche der Schüler einzugehen (ein Jahrgang darf sich bei uns z.B. individuelle Shirts designen und die College-Jacken sind auch relativ neu im Sortiment), gibt es auch weniger Proteste. Letztendlich bleibt es Geschmackssache, aber steht bei uns absolut nicht zur Diskussion.

Weiteres zum Thema findet ihr unter anderem unter folgendem Link:

https://unicum-schulkleidung.com/schulkleidung-pro-und-contra/

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Der Lehrer- ein tragischer Comicheld

Kennt ihr diese Comics, wo jemand steht, von einer Herde überrannt wird und dann ganz platt ist? Gerade, als er wieder aufgestanden ist, kommt dann noch ein Nachzügler, sodass er wieder platt am Boden liegt? So geht es mir dann, wenn die Pause entdlich vorbei ist und 254.167 Schüler reingerannt kommen, weil sie es nicht erwarten können, weiter zu lernen.

Aufsicht – ist ja auch irgendwie ein leidiges Thema. Wer macht das schon gerne? ICH! Weil das manchmal das einzige Mal in 8 oder 10 Stunden ist, dass ich frische Luft bekomme. Aber seit diesem Schuljahr haben wir auch eine Innenaufsicht. Die ist nicht etwa dafür da, die Kinder im Haus zu beaufsichtigen, sondern die Kinder rauszuschicken. Das darf ich einmal die Woche machen…und es läuft jede Woche ähnlich ab:

Ich starte immer oben im Grundschulbereich. Erste Klasse? Sind alle draußen! Die freuen sich noch, wenn sie draußen spielen dürfen. Weiter zu den 3. und 4. Klassen. Hier läuft es schon etwas schleppender…

Ich: Ihr beeilt euch jetzt mal ein bisschen. Alle, die schon Schuhe anhaben, gehen runter!

Kind1: Aber ich warte nich auf Kind 2.

Kind 3: Ich auch!

Ich: Dann muss Kind 2 lernen, sich zu beeilen! Raus jetzt!

Hinter mir fällt ein Ball auf den Boden- oder dribbelt. So genau kann ich das nicht sagen. Fünftklässler! Waren bis zum Sommer MEINE Schüler. Die wissen ganz genau was passiert. Ich drehe mich um.

Fünfi 1: Oh oh.

Fünfi 2: Ein Chance noch. Bitte Frau K.. Wir machen das nie wieder.

Ich: Also…

Fünfi 1: Bitte, bitte. Wir wussten ja nicht, dass du da stehst. Sonst hätten wir das ja nicht gemacht.

Ich: Das ist ja noch schlimmer!

Fünfi 3: Also das stimmt nun wirklich.

Ich: Ihr könnt den Ball nach der Pause in meinem Büro abholen.

Weiter gehts zur 12. Klasse. Klassentür ist auf. Ich guck mal rein: Schüler.

Ich: Draußenpause.

Zwölfi 1: Wir müssen ein Referat vorbereiten.

Ich: Bei welchem Lehrer? Ich frag nach!

Zwölfi2: Ähhhhm, also…

Ich: Hab ich mir gedacht. Raus!

Nun habe ich das Obergeschoss endlich leer, mache mich auf den Weg in den ersten Stock. Da kommen mir wiederrum Drittklässler entgegen, die natürlich ganz dringend zu viert auf die Toilette müssen. Kurze Diskussion und die Kinder schleichen wieder runter.

Im ersten Stock treffe ich zunächst auf die 9. Klasse. Die hat immer nach der Pause Sport und ist der Meinung, sich nun schon einmal umziehen zu müssen. Ist aber nicht. Hab extra beim Sportlehrer und den Klassenlehrern nachgefragt. Also begleite ich sie alle mit der Sportkleidung auf der Schulter hinunter.

Dann geht es in die 11. Klasse. Auch die sitzen -mit Jacken- im Klassenraum….

Elfi1: Bitte meckern Sie nicht mit Herrn Müller. Der ist neu. Wir haben ihn ausgetrickst.

Ich: Wenigstens ehrlich.

Elfi1: Versprechen Sie’s!?

Nun verjage ich noch die Zehntklässler aus dem Gang zum Notausgang (geschickt, da geht sonst niemand kontrollieren, weil er in eine Sackgasse führt). Und so geht das eine Weile weiter bis ich mich endlich unten vor dem Eingang positioniere, damit niemand mehr reinkommt.

Kennt ihr diese Comics, wo jemand steht, von einer Herde überrannt wird und damm ganz platt ist? Gerade, als er wieder aufgestanden ist, kommt dann noch ein Nachzügler, sodass er wieder platt am Boden liegt? So geht es mir dann, wenn die Pause endlich vorbei ist und 254.167 Schüler reingerannt kommen, weil sie es nicht erwarten können, weiter zu lernen.

Nur ganz am Ende, da kommt immer ein Schüler suf mich zu, möchte etwas erzählen, petzen oder fragen. Wie letzte Woche:

Finnja: Frau K., was heißt onanieren?

Ich: Huch, wo kommt denn das jetzt her?

Finnja: Sag mal! Ole aus der 8. schreit das die ganze Zeit übern Schulhof.

Vielleicht beim nächsten Mal….

Der Lehrer in den Medien

Bin ich die einzige, die findet, dass der Lehrer an sich in den Medien häufig als erschöpfter, unzufriedener, überlasteter Meckerheini dargestellt wird?

Unterbezahlt?

Zu große Klassen?

G8?

Gewalt gegen Lehrer?

Inklusion?

Top aktuell: Lesen durch schreiben

…und zu allem Überfluss die immer noch schlechten Ergebnisse in internationalen Vergleichsstudien.

Das alles sind Themen, über die die Medien nur allzu gerne berichten. Immer, so scheint es, finden sich eine Menge Experten die ihr umfassendes Wissen zu den Bereichen teilen können: Lehrer, Schulleitungen, Schüler, Eltern – wer nicht so alles Experte ist (mal so am Rande: Bin ich Expertin für Autos, nur weil ich schon mal in einem gefahren bin?)

Daher möchte ich gerne eine Interview-Reihe starten, bei der besonders die tollen Aspekte des Jobs im Vordergrund stehen. Dafür schicke ich allen interessierten eine Word-Datei, wo ihr eure Antworten ganz einfach reinschreiben könnt.

Wenn du Interesse hast, teilzunehmen, dann schreib eine Mail an klassenzimmergeschichten@outlook.com, schreibe deine Email-Adresse in die Kommentare oder schicke eine Nachricht bei Facebook oder Instagram!

DIE INTERVIEWS FINDET IHR AB SOFORT IN DER UNTERKATEGORIE “DER GLÜCKLICHE LEHRER-INTERVIEWS” (ganz oben auf der Seite).

Mein Instagram-Experiment

Auch wenn ich mich hier bereits kritisch bzgl. Instagram und deren (Lehrer-)Nutzer geäußert habe, ist ja nicht alles daran schlecht. Im Gegenteil: man kann natürlich auch voneinander profitieren. Inwiefern es mir nützlich ist, habe ich mit Hilfe der Umfragen-Funktion getestet und damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

In dieser Woche habe ich bei Instagram gefragt, ob sich die Klassen anderer Kollegen bei ihnen, also den Klassenlehrern, auch besser benehmen, als bei Fachlehrern. Die überwältigende Mehrheit hat mit “ja” gestimmt- das entspricht auch meiner Erfahrung. Ich mache mir seit einiger Zeit schon Gedanken über mögliche Gründe:

Die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Klassenlehrern und den Kindern ist enger. Wenn sie dort nicht ihre Grenzen austesten können, müssen sie es woanders tun. Wenn sie damit auch noch durchkommen, haben sie für die Zukunft eher leichtes Spiel.

Jeder Lehrer ist anders. “Streng und konsequent” können offenbar nicht alle.

Der Klassenlehrer hat mehr Zeit, während die Lehrer mit kleinen Fächern (bei uns betrifft das vor allem die Frendsprachen und Musik) einen größeren Druck verspüren, ihren Stoff durchjagen zu müssen.

Ebenso kann bei den Fachlehrern auch das Verständnis vorherrschen, dass es ja nicht ihre Aufgabe, sondern die des Klassenlehrers sei, die Erziehungsarbeit zu leisten.

Das Land der Ausbildung -wir sind in der Lehrerschaft sehr multikulturell und stolz darauf- kann mitentscheidend sein. Einige kennen es gar nicht, die Schüler auch erziehen zu müssen.

….und viele weitere Gründe mehr. Natürlich steht und fällt alles mit dem Kollegium und der pädagogischen Leitung/Schulleitung.

Nur die Ursachen zu kennen, nützt uns allerdings nichts, wenn man nicht auch nach Lösungen sucht. Bei Instagram haben wir nun ganz viele Ideen gesammelt und zusammengetragen. Nicht alle davon lassen sich auf meine Schule übertragen, aber für den ein oder anderen Leser hier können sie trotzdem interessant sein. (Meine Kommentare seht ihr in kursiv.)

1) Ein Lehrer für alle Fächer! Grundsätzlich super und ich bin sicher, dass es in einigen Ländern auch so gehandhabt wird. Bei mir würde es aber spätestens an den Fächern Musik und Chinesisch scheitern.

2) Mit den Fachlehrern im Dialog bleiben, sofort mit den Kindern sprechen, wenn es nicht läuft. Ich als riesen Gespräche-Fan bin auch Fan von dieser Idee.

3) Das Sozialverhalten von Anfang an in Fokus stellen. Tue ich intensiv, stößt aber dann an Grenzen, wenn sich Kollegen nicht an Verabredungen halten (ich unterstelle hierbei keine Absicht, höchstens Überforderung aufgrund mangelnder Erfahrung.)

4) Den Kindern im Beisein der Fachlehrer das Belohnungssystem und die Regeln erklären. Finde ich richtig, setzt aber voraus, dass die Fachlehrer mit dir am selben Strang ziehen. (Aber mehr dazu auch unter 3) und 5)) Auch wenn wir mit Absicht an der Schule ohne Belohnungssstem arbeiten, ist es wichtig, dass die Kinder wissen, dass alle Lehrer die Regeln kennen.

5) Gleiche Regeln und Konsequenzen, die alle Lehrer einhalten und anwenden/ Regelsysteme, die von allen Fachlehrern übernommen werden. Idealerweise ist es so. Mir klingt das aber zu einfach und zu theoretisch, weil ich das Gefühl habe, dass man manchmal die anderen Lehrer nicht beeinflussen kann und es ist doch für die Fachlehrer auch eine Zumutung, die Rituale, Konsequenzen, Regeln der verschiedenen Klassen zu kennen- gerade für jemanden, der fast eine volle Stelle mit Musik belegt und dementsprechend in mindestens sechs Klassen ist. Zusätzlich sehe ich das Problem, dass sich Lehrer selten Hilfe holen. Wenn ich merke, ein Lehrer kommt mit meiner Klasse nicht klar, merke ich das häufig, weil ich Aufmerksam bin, nicht, weil Kollegen den Dialog suchen.

6) Als Fachlehrer mit dem Klassenlehrer drohen ist Quatsch. Das untergräbt nur die eigene Autorität. Amen! Den Kindern sollte aber trotzdem klar gemacht werden, dass die Klassenlehrer informiert sind, da zwischen den Lehrern ein Austausch stattfindet. Ähnlich wie bei ihren Eltern sollen die Kids nie das Gefühl haben, ihre Lehrer gegeneinander ausspielen zu können.

7) Viele Gespräche führen: hospitieren, Tipps zur non-verbalen Kommunikation geben, andere Verhaltensmuster aufzeigen. Das machen wir gerade intensiv und hoffen, das es was bringt. Es ist natürlich immer schwierig, da man selbst nicht perfekt ist und Lehrer häufig dazu neigen, Hopsitationen als Bedrohung wahrzunehmen statt als Hilfe. (Wie immer: Nicht alle, aber einige.)

Ich bin immer noch nicht sicher, ob hier die Lösung meines Problems dabei ist. Es sind alles theoretische Ansätze, die wir in der Schule auch so leben (wöchentliche Teamsitzungen mit Raum zur Refelxion und Absprachen, Klassenteamzeiten, wöchentlich ein Zeitfenster für Klassenkonferenzen, gemeinsame Rituale, Regeln, Konsequenzen…). Fest steht: Je weniger Fachlehrer in einer Klasse, desto besser. Alle unsere Lehrer haben, und das schätzen wir, einen unterschiedlichen kulturellen Background, unterschiedliche Schulerfahrungen, ihr Studium/Examen in unterschiedlichen Ländern gemacht usw. Diese ganzen Vorstellungen und Erfahrungswerte miteinander zu vereinen ist schwierig. Genauso schwer ist es, jemandem ein (Belohnungs)System aufzuzwingen, hinter dem er nicht steht, egal ob grüne Karten, eine Lautstärke-Ampel, nachsitzen usw. Es wird nicht funktionieren.

Und interessant ist auch: Es gibt auch tatsächlich Fachlehrer, bei denen Klassen besser laufen, als bei den Klassenlehrern…da scheint das Problem also ganz woanders zu liegen.

Ich danke allen Insta-Lehrern und Nicht-Lehrern für die Teilnahme und die vielen Tipps.

Das darf man ja wohl mal sagen

Frau Krokus, ihreszeichen Lieblingskollegin sowie Mathe- und Schwimmlehrerin meiner Erstis, berichtete mir gestern von folgendem Gespräch vom Schwimmunterricht:

Lorenz: Frau Krokus, deinen Badeanzug könnte ich auch anziehen.

Frau Krokus: Aber der passt dir doch gar nicht.

Lorenz: Stimmt. Ich hab ja gar nicht so große Brüste.

Dominik: Aber Frau Krokus hat doch gar keine großen Brüste.

Lorenz: Hmm, stimmt. Aber braucht sie als Lehrerin ja auch nicht.

*mit freundlicher Genehmigung von Frau Krokus.

Say my name, say my name!

Gleich zu Beginn möchte ich meinen alten Lehrerkumpel Herrn Weizen zitieren, der irgendwie immer parallel zu mir die gleiche Klassenstufe hat. Also nun auch wieder eine erste. Er schrieb mir vor einigen Tagen: “Habe vergessen, wie viel Spaß das macht.” Ich auch! Ich habe da so ein Gefühl, dass uns ganz viele tolle, witzige und weniger schwermütige Klassenzimmergeschichten bevorstehen. Yeah! Geht sofort los:

Den ersten Tag nach der Einschulung hatten wir Klassenlehrerunterricht. Ich bat aber die Fachlehrer, im Laufe des Tages mal vorbeizuschauen um sich vorzustellen. Natürlich kam Frau Krokus, die Zuverlässigkeit in Person, als erste Kollegin rein.

Frau Krokus: Hallo, ihr Lieben. Ich bin Frau Krokus und werde Mathe mit euch machen. Vielleicht hat ja jemand noch eine Frage?! Leana!

Leana: Du siehst schön aus.

Frau Krokus: Oh, danke. Du musst mir noch mal deinen Namen verraten!

Saskia: Ich heiße Saskia, aber meine Mama nennt mich Moni…. aber du kannst auch Maus zu mir sagen.

…ja, Frau Krokus wäre wahrscheinlich nicht so verdattert gewesen, hätte sie da schon gewusst, dass das Saskias Nachname ist.

Nicht so laut!

Wie in jedem Schuljahr nahmen unsere Grundschüler auch im letzten Jahr wieder am Waldlauf teil, sehr zum Ärger der Grundschüler selbst. Denn drei Kilometer und ein paar Schrittchen- wie nur um alles in der Welt sollen sie jemals ins Ziel kommen ohne vorher elendig zu verdursten oder zu ersticken!? Naja, bisschen Schwund ist immer und so haben wir keine Ausreden akzeptiert und ausnahmslos alle mussten starten (okay, eine ist uns durchgerutscht, aber watt soll man machen, wa?!).

Diese Kinder, die so oft gestänkert, uns Nerven geraubt und gestritten haben, haben sich jetzt gegenseitig angefeuert…alle jeden und zwar unaufhörlich. Da ich -kurz vor den Sommerferien auf Grund der für die Kiddos bald endenden Grundschulzeit- ohnehin schon nah am Wasser gebaut war, kam ich nicht umhin immer wieder unter Tränen zu betonen wie stolz ich auf die Stinker war. Und auch ich habe mir die Kehle aus dem Hals geschrien. Mit den Schülern zusammen. Besonders bei Jeremy:

Unsere Klasse wartet neben der Bahn kurz vor der Zielgeraden, es ist der letzte Lauf. Das Hauptfeld ist vorbei, es kommen die Nachzügler….alle…bis auf Jeremey. Doch, da! Ganz hinten. Vor ihm noch ein Schüler. Wir schreien, wir toben (wir Lehrer realisieren, dass der Schüler vor ihm eine Beeinträchtigung hat), die Kinder klatschen weiter, feuern ihn an (wir Lehrer werden ruhiger und denken, der Junge auf dem Vorletzten Platz soll nicht letzter werden). Die Kinder stampfen, brüllen Jeremys Namen und dann…kämpft sich Jeremy nach vorn und überholt den anderen Jungen. Jetzt ist er genau auf unserer Höhe. Seine Mitschüler applaudieren und machen noch etwas mehr Stimmung, die qiueken gerade zu in höchsten Tönen….Jeremy guckt ganz zornig und hält sich die Ohren zu, während seine Klassenkameraden neben ihm herlaufen und ins Ziel tragen- Ohren geschlossen.

Als er später mit knallrotem Kopf wieder bei uns ist, können wir Lehrer es uns natürlich nicht nehmen lassen, hinzugehen um ihm für’s Durchhalten zu gratulieren:

Ich: “Hey Jeremy, gut gemacht. Kannst stolz auf dich sein. High Five!”

Frau Radieschen: “Wir wissen, du willst keine Glückwünsche, aber schlag ein!”

Jeremy: “Hä, ich will Glückwünsche.”

Frau Radieschen und ich: “Aber du hast dir doch die Ohren zugehalten.”

Jeremy: “Ja, ich wollte doch beim Laufen nur nicht angeschrien werden.”

….und so einfach ist das dann manchmal.

How to KLASSENRAT

Da in den sozialen Netzwerken von einigen Kollegen und Kolleginnen gefragt wurde, wie die anderen den Klassenrat ein- und durchführen, habe ich mir gedacht, dass ich es einmal detailliert aufschreibe. Ganz vielleicht kann ich damit ja einmal etwas zurückgeben für die ganzen Arbeitsblätter, Bastelideen und sonstigen Materialien, die ich im Online-Lehrerzimmer stibitze.

Der Klassenrat wird an vielen Schulen eingesetzt mit dem Ziel, die Schüler über Probleme kommunizieren zu lassen und um demokratische Grundprinzipien zu vermitteln. Ein Klassenrat macht nur dann Sinn, wenn die Anliegen der Schüler ernstgenommen werden und das Ansprechen dieser für die Schüler eine Veränderung erwirken kann.

Für meine Schule gilt: Bei uns ist der Klassenrat von der Vorschule bis zum Abitur explizit im Stundenplan verankert. Beide Klassenlehrer nehmen an diesem Teil, geleitet wird er aber von den Klassensprechern. Das gelingt ab Klasse 3 problemlos und die Lehrer greifen kaum noch ein. Im Klassenrat werden alle Themen besprochen, die die gesamte Klasse angehen (oder zumindest einen Großteil). Wenn also der Nils mit der Laura immer wieder aneinander gerät, hat das nichts im Klassenrat verloren, wird der Nils aber von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen sehr wohl.

Über die Woche können die Kinder (und Lehrer) Lob auf gelben Zettelchen und andere Anliegen auf weißen Zettelchen mit dem eigenen Namen versehen in den Klassenratsbriefkasten werfen. Erstklässler malen ihr Anliegen oder merken es sich. Beim Klassenrat an sich werden nur Zettel besprochen, die mit einem Namen versehen sind.

Expertentipp: Man sollte unbedingt darauf achten, dass der Klassenrat keine Mecker- oder Beschwerdestunde wird. Daher würde ich immer von “Anliegen” und nicht von “Problemen” oder “Beschwerden” reden.

Zu Beginn des Klassenrats versammeln sich alle Schüler im Sitzkreis. In meiner jetzt abgegebenen vierten Klasse hat es sich ergeben, dass die Klassensprecher nun Rollen zugewiesen haben. Dies ist allerdings über die Jahre und aus der Gruppe heraus entstanden:

1) Assistenten: Die unterstützen die Klassensprecher beim Verteilen der Psst-Karten, aber auch beim Verteilen der grünen Karten.

2) Leisewächter: Dieser hält die Klangschale und ermahnt die Klasse mit diesem Hilfsmittel bei Bedarf zur Ruhe.

3) Erzählhundhalter: Dieser hält den Erzählhund und wirft ihm dem Schüler zu, der das Wort hat.

Nun beginnt der Klassenrat. Jede Phase wird hierbei durch Flashcards unterstützt, welche von den Klassensprechern im Sitzkreis platziert werden.

Phase 0: Klassensprecherversammlung

Hier berichten die Klassensprecher, was bei der Klassensprecherversammlung besprochen wurde. Da die nicht jede Woche stattfindet, findet dies nur bei Bedarf statt.

1. Phase: Lobrunde

Hier werden die Taten einzelner Schüler gelobt, z.B. weil er Lisa in Mathe geholfen hat, Moritz ein Pflaster besorgt hat, immer das Frühstück mit Mara teilt usw. Die Klassensprecher ziehen nacheinander die gelben Zettel und der Verfasser trägt sein Lob vor. Die Klasse stimmt dann gemeinsam ab, ob die Tat eine Lobkarte (gibt es z.B. von Timetex, man kann aber auch Sticker verwenden oder es beim Lob an sich belassen) wert ist. Interessant hierbei war, dass die Klasse irgendwann abgestimmt hat, dass jedes Lob eine Lobkarte wert ist, weil es für das Kind ein wichtiger und lobenswerter Moment war (*schnief*).

2. Phase: Was ist aus den Ergebnissen vom letzten Mal geworden?

Hier lesen die Klassensprecher (in Klasse 1+2 die Lehrer) die Punkte des letzten Klassenrats vor. Hat sich die Klasse zum Beispiel vorgenommen, nicht mehr zu drängeln, wenn sie zum Mittagessen gehen, wird kurz besprochen, wie es geklappt hat. Das haben die Klassensprecher meist mit der Daumenprobe gemacht. Manchmal durften sich noch zwei Schüler äußern. Wenn es sich verbessert hat, wird der Punkt abgehakt, sonst schreiben ihn die Klassensprecher (in Klasse 1+2 die Lehrer) für die kommende Woche wieder ins Protokollheft (ein simples A5-Heft eignet sich da prima).

3. Phase: Welche Anliegen gibt es heute? Welche Lösung finden wir?

Wieder ziehen die Klassensprecher Zettelchen aus der Box -diesmal die weißen. Wieder trägt der Verfasser sein Anliegen vor. Manchmal ist es nur eine Ansage bzw. Erinnerung (z.B. “Ich möchte euch erinnern, im Treppenhaus nicht so zu drängeln!”), manchmal bedürfen die Anliegen mehr Zeit. Zum Beispiel wenn mehrere Schüler ein Problem mit einem Lehrer haben, ihnen die Sitzordnung nicht gefällt oder über die nächste Belohnung entschieden wird usw. In diesen Fällen werden Schüler angehört und es wird nach Lösungen gesucht. Hier benötigen die Kinder manchmal noch Hilfe und Lenkung, aber mit klaren Strukturen und guten Klassensprechern geht es auch ohne dem.

Einige Kolleginnen an meiner Schule lassen zu Beginn des Klassenrats die Anliegen vorlesen und dann die Klasse abstimmen, welche sie besprechen möchten. Das kann man machen (und ich würde es zulassen, wenn es aus der Lerngruppe heraus entsteht), glaube aber, dass es die Schüler dazu verleiten kann, die profitabelsten und bequemsten Themen zu besprechen. Bei Frau Krokus klappt das allerdings so ganz wunderbar.

Natürlich kann man das alles noch ausbauen. Ich für meinen Teil werde es im kommenden Schuljahr mit den Erstis simpel halten. Im ersten halben Jahr übernehmen wir Lehrer zunächst die Rolle der Klassensprecher. Ab den Herbstferien (vielleicht auch früher) werden wir beginnen, Verantwortung abzugeben. Wichtig ist, sich von Vornherein so gut wie es geht zurückzunehmen und ein Vorbild zu sein. Außerdem sollte man mit den Kiddies unbedingt einmal besprechen, wozu der Klassenrat wichtig ist. Dann kann man die Erfahrung machen, dass sogar die Kinder mitreden, denen Kreisgespräche sonst schwer fallen. Schließlich geht es jetzt auch darum, was sie wollen und da lohnt sich das Stillsitzen dann manchmal schon.

Über die Sommerferien arbeitslos

Überall wird man im Moment darauf aufmerksam gemacht, dass viele Lehrer (und Lehrerinnen) sich mit befristeten Verträgen von Schuljahr zu Schuljahr hangeln, welche die Sommerferien aber gar nicht umfassen.

Es ist so wahnsinnig wichtig, dass das in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Ständig wird am Bildungssystem kritisiert, nicht nur von Lehrern. Auch viele Eltern sind mit vielen Dingen zurecht nicht einverstanden, kritisieren zu große Klassen, hohen Unterrichtsausfall, Gewalt gegen Mitschüler und sogar Lehrer. Dazu kommen noch viele kritische Worte bzgl. subjektiver Probleme (Lehrer doof, Konstantin doof, Kermit-Ergebnis doof, alles doof).

Es entsteht in deutschen Großstädten ein regelrechtes School-Hopping. Das merke ich an meiner Privatschule besonders. Interessant ist hierbei aber der Grund, warum sich viele Eltern nach der 1.,3.,6., 8. … Klasse nach einer neuen Schule für ihren Sprössling umschauen: Nicht, weil unser Profil sie so anspricht (wobei ich persönlich es ja bombig finde), sondern weil die Eltern vieles nicht mehr wollen: Anonymität im System, Lehrerwechsel ohne Ende, den oben genannten Unterrichtsausfall usw.

Ob die Eltern das wissen oder nicht, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung zwar nicht ausschließlich, aber maßgeblich entscheidend für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Diese Beziehung kann aber nicht aufgebaut werden, wenn Lehrer nach jedem Schuljahr gehen oder wenn diese sich gar nicht einlassen wollen auf einzelne Schüler, weil sie nicht wissen, ob sie nach 9 Monaten überhaupt noch da sind. Schon aus diesen Gründen sind befristete Verträge bei Lehrern eine Katrastrophe. Aber nein, ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Natürlich sollen Lehrer sich, wie andere Angestellte in anderen Berufen auch, erst einmal beweisen müssen. Ich würde mal plump sagen (Haters gonna hate) für die “gewöhnliche allgemeinbildene Schule” ist das Referendariat bzw. das zweite Staatsexamen erstmal genug, um die Eignung für diesen Beruf zu beweisen. Für Schulen mit einem besonderen Profil, sieht das sicher anders aus. Aber dann, liebe Verantwortlichen, verteilt Verträge, die IMMER vom 1.8. bis zum 31.7. gehen. Diese Arbeitslosigkeit ist eine Zumutung.

Lehrer sammeln im Laufe des Schuljahres so viele Überstunden an, dass sie diese nur in den Ferien abbauen können. Abgesehen davon, heißt es für Lehrer gar nicht “Ferien”, sondern “unterrichtsfreie Zeit”. Diese Zeit wird für Nachbereitung, Vorbereitung, Fortbildungen usw. genutzt. Die sicherlich überaus notwendige Erholungsphase kommt zu kurz, wenn man in der Zeit arbeitslos ist. Die psychische Belastung kann ich nur erahnen- in einer Berufsgruppe, in der Burnout- und Suchtrate aufgrund der Belastung ohnehin schon erschreckend hoch ist.

Überwiegend haben wir es hier mit jungen Menschen zu tun, die eine 6,5 bis 7jährige Ausbildung (überwiegend unbezahlt) hinter sich haben und nun zu allem Überfluss auch noch Bafög oder einen Studienkredit zurückzahlen müssen und arbeiten wollen. Lehrer, die motiviert sind, wissbegierig, fleißig. Die sich fortbilden wollen. Aber Moment: “Welche Fortbildung besuche ich nur, wenn ich gar nicht weiß, ob ich im nächsten Jahr Physik in Klasse 12 oder Deutsch in Klasse 2 unterrichte? Genau…lieber erstmal gar keine. Hab ich ja auch keine Zeit für. Muss ja zum Arbeitsamt. Oh, und mich neu bewerben. Achja, und mein hart erarbeitetes Geld sparen und gleichzeitig privat hunderte von Euro dafür ausgeben, meinen Unterricht handlungsorientiert und abwechslungsreich zu gestalten.”

Aber wieso nur, gibt es so viele Lehrer, die verbittert sind und schimpfen, die keinen adäquaten Unterricht machen? Die so wirken, als wollen Sie diesen Job nicht?

Vielleicht ja aus dem Grund, dass der Job sie nicht will!

Nachtrag:

Um noch kurz auf einzelne Facebook-Kommentare einzugehen: Ja, in anderen Berufen ist es auch so, macht die Situation für Lehrer aber nicht weniger schlimm.

Ja, man könnte auch “einfach” in ein anderes Bundesland ziehen, denn da verbeamten die einen auch gleich und… Shut up, du Idiot! Dämlicher Kommentar!

….und viele mehr.

Klassenzimmergespräche

Ich liebe meinen Sitzkreis. Gespräche finde ich super wichtig. Die Kinder lernen so viel dabei. Man selbst auch. Ich mache aus allem ein Gesprächsanlass. Aber das konnte ich nicht immer. Früher hatte ich Angst, dass es mir Lernzeit klaut, aber wisst ihr was: Es ist Lernzeit. Und wahrscheinlich mit die wichtigste am Tag.

Tägliche Gesprächsrunden sind:

– tagesrelevante Informationen: Wir gucken vor dem Unterricht von 07:45-08:00Uhr immer die Kindernachrichten vom Vortag und besprechen diese auch. Die Kinder können ihr Hintergrundwissen einbringen, letzte Woche konnten die muslimischen Kinder etwas zum Ramadan erzählen und die Kinder können Fragen stellen. (Außerdem hat es auch noch den Vorteil, dass die Kinder etwas ruhiger sind, nicht durch die Klasse toben und dementsprechend auch der Morgenkreis pünktlich beginnen kann.)

-Morgenkreis: Im Morgenkreis legen die Kinder immer einen Stein aufs “Mood Wheel” und äußern ihr Befinden auf Englisch, z.B. “I am disappointed today.” Die Kinder, die rechts und links von mir sitzen dürfen dann jeweils vier Kinder fragen: “Why are you …today?”, und diese antworten wiederrum- mittlerweile auf Englisch, zu Anfang aber auf Deutsch. So erfährt man, was die Kinder erlebt oder vorhaben und etwas über ihr Leben außerhalb der Schule.

-Stundenreflektion: Nicht täglich aber regelmäßig reflektiere ich mit den Kindern ihr Lern- und Arbeitsverhalten. Meist zunächst mit der Daumenprobe. Die Kinder lernen schnell, einander ehrlich zu reflektieren, einander (und sich selbst) Tipps zu geben und sich Ziele zu setzen.

-Abschlusskreis: Am Ende der letzten Stunde machen wir einen Abschlusskreis. Der kann rückblickend sein (“Was habe ich heute gelernt?”, “Was hat mir heute am besten gefallen?”) oder in die Zukunft gerichtet sein (“Was nehme ich mir für morgen vor?” “Worauf freue ich mich heute Nachmittag?”…). Dabei ist mir wichtig, dass es ein positiver Abschluss ist.

Aber nicht nur diese Gespräche gibt es. Auch andere Anlässe nutze ich:

-Quatschen zwischendurch: Ja, ich lenk meine Schüler manchmal ab, indem ich mich mit ihnen unterhalte. Mit Absicht. Klar, kommt das auf den Schüler an, aber grundsätzlich halte ich das aus mehreren Gründen für sinnvoll: Man vertieft die Lehrer-Schüler-Beziehung, man erfährt etwas über den Schüler oder dessen Stimmung (s.a. “Morgenkreis”) und man gönnt ihm eine Pause. Häufig setze ich die Gespräche auch bewusst bei Kindern ein, bei denen ich merke, dass sie eine Pause benötigen. Danach kann man geschickt das Gespräch wieder zum Thema lenken und das Kind kann weiterarbeiten.

-Konfliktgespräche: Da sprech ich gar nicht mehr so viel. Ich frage nur: “Was möchtest du …. sagen?”, “Was wünschst du dir von …?” “Verstehst du das? /Kannst du das umsetzen?” “Brauchst du noch etwas, damit es für dich geklärt ist?”

-“Mecker-Gespräche”: Ich rufe die Kids häufig in den Pausen zu mir, wenn sie etwas ausgefressen haben. Dann besprechen wir meist das Verhalten, reflektieren es und setzen uns Ziele.

-Entschuldigungs-Gespräche: Mir rutschen im Stress häufig Worte und Sätze raus, die mir hinterher leidtun und daher entschuldige ich mich regelmäßig bei den Kids. Man muss ein Vorbild sein- und wenn ich schon schlimme Dinge sage (man ist ja auch nur ein Mensch), muss ich mich wenigstens entschuldigen.

-Klassenrat: Da sprech ich auch nicht mehr viel. Aber die Kinder, wenn sie erst einmal eine gute Gesprächskompetenz haben: WOW!

Das alles ist ein hartes Stück Arbeit und ich wiederhole auch jetzt, am Ende der vierten Klasse, viele Dinge zum tausendsten Mal. Gesprächsregeln klären, immer wieder, aktives Zuhören schulen, immer wieder, an die Gesprächsregeln erinnern (ja, das steht hier mit Absicht noch mal), immer wieder und wenn es zwei Wochen klappt, wieder von vorne. Bei uns in der Klasse gelingen Gespräche tausendmal besser im Sitzkreis, als Frontalunterricht. Deshalb verpacke ich frontale Phasen gerne so. Einführungen kann ich am Boden, genauso wie am Smartboard machen. Der Unterricht kann lehrergelenkt (ich schreibe extra nicht “lehrerzentriert”) sein und trotzdem nicht so 70er (gibt’s bei mir natürlich auch).

Gespräche führen ist für mich das A und O. Und ich empfehle jedem Lehrer, keine Angst davor zu haben, Unterrichtszeit (in welchem Fach auch immer) für Gespräche aufzuwenden.