Meine Kleiderregeln

Im vergangenen Monat kam in einigen Profilen der sozialen Medien die Frage auf, ob es eine Kleiderordnung für Lehrer geben sollte. Anlass der Diskussion war Kritik, die im Rahmen eines Unterrichtsbesuches an dem Outfit einer Lehrkraft im Vorbereitungsdienst geübt wurde. Die Meinungen dazu gingen auseinander.

photo of woman near clothes
Photo by Burst on Pexels.com

Ich mache mir seit längerer Zeit Gedanken zu dem Thema und bin häufig hin und hergerissen. Grundsätzlich finde ich, dass die Kleidung, aber auch Tattoos oder Piercings, nichts darüber aussagen, wie gut wir als Lehrer sind. Wenn mein Unterricht gut vorbereitet ist, ist die Stunde gleich gut, egal, wie ich aussehe. Allerdings hat unsere Kleidung Auswirkungen auf unsere Ausstrahlung und beeinflusst somit die Wirkung auf Schüler (und Eltern).

Zum einen nehmen ältere Schüler wahr, wenn man mit seiner Kleidung deren Kleidungsstil sehr nahe ist. Das kann zwar gut sein, aber auch dazu führen, dass den Schülern die Abgrenzung schwerer fällt (und uns auch. Ich erinnere mich daran, wie ich als Praktikantin im Studium in einer 10. Klasse hospitiert habe und dachte: Cool, das T-Shirt habe ich auch. Ich habe mich einfach noch gar nicht so viel älter als die Schüler gefühlt).

Jüngere Schüler springen hingegen auf jede Kleinigkeit im Erscheinungsbild an: Tattoos, Haarschnitt, “komische Schuhe” – alles wird bewertet. Mal finden sie einen hübsch, mal sagen sie, man sieht wie ein Rockstar aus, mal merken sie, dass der Nagellack nicht zum Outfit passt. Sie sind sehr aufmerksam.

Kleidung hat Auswirkungen darauf, wie Schüler dich wahrnehmen!

Auf der einen Seite möchte ich mich wohlfühlen und bequeme Kleidung tragen. Würde ich meine Outfits aber nur nach Bequemlichkeit auswählen, dann würde ich meist in Leggins oder Jogginghose und Sweatshirt arbeiten- eine BH hätte ich dann nicht an. Wenn es danach ginge, welche Outfits ich stylisch und bequem finde, würde ich überwiegend schwarz tragen – denn ich selbst sehe mich gern als Rockstar. Das habe ich auch eine Zeit lang gemacht. Und wisst ihr was? Das hatte Auswirkungen auf die Schüler und den Unterricht. Ich wurde ganz anders wahrgenommen, als wenn ich farbige Kleidung trage. Ich wirkte dann – so interpretiere ich die Schülerreaktionen – strenger, unglücklicher, unnahbarer. Eine ehemalige Kollegin von mir meinte damals, sie würde gern mal mit mir shoppen gehen. Sie war der Meinung, dass deine Kleidung deine Stimmung ausdrückt. Stets dunkle Kleidung zu tragen, bedeutete demzufolge, dass ich stets unglücklich war. Sah ich nicht so. Aber möglich ist es, dass ich damals Stress und doofe Tage durch Shoppen kompensiert habe und dementsprechend häufig dunkle Farben in meinen Einkaufstüten landeten.  Allerdings weiß ich nun, dass das Tragen von hellen Farben durchaus das eigene Wohlbefinden steigern kann.

An meiner Schule gibt es ein paar Regeln für die Kleidung von Lehrern:

Da die Schüler Schulkleidung tragen, sollen wir Lehrkräfte auch auf das Tragen von großen sichtbaren Logos und Markennamen verzichten.

Bluejeans sind nicht erlaubt (außer wir unterrichten an dem Tag Kunst), da viele Kinder unserer Schule ihre Eltern nur in der Freizeit in Jeans sehen und wir als Lehrer nicht suggerieren sollten, dass wir gerade Freizeit haben.

Spaghettitops, Flipflops, Jogginghose und zu kurzen Hosen/Röcke sind nicht erlaubt – egal, wie schön unsere Beine sind.

Besonders die Bluejeansregel stößt vielen neuen Kollegen zunächst sauer auf. Ich habe mich allerdings schnell daran gewöhnt und kaufe seitdem einfach nur noch schwarze (hahaha!!!) Jeans oder Stoffhosen.

Ein weiterer Gedanke, den ich dazu habe, gerade in Bezug auf Junglehrerinnen: Wir möchten von den Eltern ernstgenommen werden. Wenn ich das mit anderen Berufsgruppen vergleiche: Ich würde meinem Bankberater vermutlich weniger trauen, wenn er mir mit Achselshirt und Jogginghose gegenübersitzt. Genauso würde es mir beim Psychologen oder bei einem Arztbesuch gehen. Sitzt mir da eine Dame mit Holzfällerhemd und ripped Jeans gegenüber, schwarzen Strähnen im Haar und dunklem Kajalstift- ich weiß nicht, ob ich genauso schnell Vertrauen fassen würde, wie bei einer Frau, die schlicht und “professionell” gekleidet ist.

Genau so geht es vermutlich den Eltern, die uns in Gesprächen gegenübersitzen. Von denen erwarten wir, dass sie unsere Professionalität anerkennen, dass sie mit ihrem Kind zum Kinderpsychologen gehen, weil wir das möchten und, dass sie auf unser Urteil vertrauen. Gerade zu Beginn unserer Lehrerlaufbahn sind wir häufig noch jünger als die Eltern, die uns gegenübersitzen. Und natürlich sind wir souveräner in einem Gespräch, wenn wir uns in unserer Haut wohlfühlen. Aber vielleicht können wir an dieser Selbstverständlichkeit arbeiten, mit der viele von uns Lehrern im Vergleich zu anderen Berufsgruppen auf Freiheiten und Ausnahmen beharren, die anderen Arbeitnehmern nicht im Traum einfallen würde. Wir selbst ertappen uns dabei, Menschen aufgrund des Äußeren in Schubladen zu packen – natürlich wird das bei uns Lehrern genauso gemacht. Deine Kleiderwahl entscheidet also mit darüber, wie wir auf andere wirken, ob sie uns ernst nehmen oder nicht. Wenn uns nun ein logofreier Kleidungsstil dazu verhilft, ernstgenommen zu werden, ist das Opfer, welchen wir bringen müssen, gar nicht mal so hoch – äußerliche und innerliche Veränderung gehen Hand in Hand.

Man kann alles tragen, aber es beeinflusst, wie du wahrgenommen wirst.

Nach wie vor bin ich immer noch an manchen Tagen unsicher, was ich tragen soll. Ich liebe Sneaker, DocMartens und Disneyprints. All das trage ich auch nach wie vor. Meine goldenen Regeln lauten, mehr denn je, seitdem ich Schulleiterin bin:

Entweder unten- oder obenherum möchte ich “Business-Look” tragen, d.h. Stoffhose bzw. Rock oder Bluse bzw. Shirt mit Blazer.

Mindestens ein Teil muss weiß oder farbig sein.

Schuhe mit Absatz ziehe ich nur an den Tagen an, an denen mir danach ist.

Meine kleinen Tattoos an den Armen sind, vor allem im Sommer, meist sichtbar. Sie sind unverfänglich und zierlich. Das am Schlüsselbein “verstecke” ich, wenn ich morgens weiß, dass ich Elterngespräche habe, weil es sehr nah am Gesicht ist

Ich  trage immer, wirklich immer, einen BH.

 

Weitere Artikel dazu: 

Die Wirkung von Kleidung

http://www.farbenundleben.de/kleidung/kleidung.htm

…daher empfehlen wir, dass Ihr Kind nach der vierten Klasse…

Die Empfehlungen sind für Eltern und Kinder wichtig. In ihren Augen entscheiden die Empfehlungen häufig über die Zukunft. Keine Gymnasialempfehlung? Katastrophe.

Regelung im Bundesland

Bei uns in Hamburg sind die Empfehlungen tatsächlich nur Empfehlungen, am Ende entscheiden die Eltern selbst, an welcher Schule sie ihr Kind anmelden. Fast alle Gymnasien nehmen auch Schüler ohne Gymnasialempfehlung an, zumindest in die 5. und 6. Klasse, die sogenannte Beobachtungsstufe. In anderen Bundesländern ist das anders. Da entscheiden die Lehrer meines Wissens nach, wie die Schullaufbahn für das einzelne Kind weitergeht.

Wer trifft die Entscheidung?

An unserer Schule setzen sich ALLE Grundschullehrer und ein Mitglied der Schulleitung zusammen. Die Klassenlehrer bereiten Namenskärtchen vor und sortieren diese nach und nach in die Kategorie Gymnasium oder Stadtteilschule ein. Bei manchen Schülern sind sich alle schnell einig. Bei anderen müssen wir länger diskutieren. Am Ende wiegen dann die Stimme der Deutsch- und Mathelehrer am stärksten. Am Ende können immer alle Lehrer mit der Entscheidung leben.

Welche Aspekte berücksichtigen wir?

Wir gucken uns zum einen die Entwicklung des Kindes an, aber auch den Leistungsstand. Seit diesem Jahr schreiben wir im Frühherbst in den Fächern Deutsch, Mathe, Englisch Lernerfolgskontrollen, die unangekündigt möglichst viele gelernte Bereiche abfragt. Im Deutschunterricht war das z.B.: Rechtschreibung, Sprache untersuchen, Grammatik, Leseverstehen, freies Schreiben.

Außerdem ist ein wesentlicher Faktor das (Sozial)Verhalten. Es kommt regelmäßig vor, dass wir auch relativ starken Schülern keine Gym-Empfehlung geben, weil sie oft Streit anzetteln, mal körperlich übergriffig werden, eine seeeeehr geringe Frustrationsgrenze haben, den Unterricht regelmäßig stören usw. Dass diese Verhaltensmuster im starken Gegensatz zur Leistung stehen, kommt zwar vor, ist aber eher die Ausnahme.

Wie gehen wir den Schülern gegenüber mit den Empfehlungen um?

Das Thema “Empfehlungen” kocht bei den Kindern gleich zu Beginn der 4.Klasse hoch. Dabei geht der Druck überwiegend von den Eltern aus. Wir merken häufig schon zu Beginn der (Vor)Schulzeit, dass es für viele Eltern, die ihr Kind an eine Privatschule schicken nur ein Ziel gibt: Abitur. Wenn ich Anmeldegespräche mit Familien führe oder mich mit Elternvertretern treffe, sind die Abiturergebnisse unserer Schule regelmäßig Thema. Es nützt nichts, den Eltern zu sagen, dass es noch viel zu früh sei, sich darum Gedanken zu machen, zudem man ja auch nicht wisse, wie sich das Kind entwickle.

Wir selbst versuchen den Kids den Druck zu nehmen so gut es geht. Im Fach Lernen lernen besprechen wir die Unterschiede von Gymnasien und Stadtteilschulen, aber heben auch die jeweiligen Vorteile hervor (an der STS erwirbt man das Abi z.B. nach 13 Jahren, statt wie am Gym nach zwölf, was einzelnen Schülern zugute kommt).

Als ich Klassenlehrerin einer vierten Klasse war, habe ich meine Zeugnisse mitgebracht. Dort konnten die Kinder sehen, dass ich von einer 1 in Englisch in der Grundschule auf eine 5 hinuntergerutscht bin. Nach 1,5Jahren auf dem Gymnasium habe ich dann auf eine Gesamtschule (damals hieß das noch so) gewechselt. Das Gymnasium war einfach nicht meine Schulform. Besonders für die Kinder ist das erstaunlich, weil ich später Englischlehrerin wurde. Diese Geschichte erzähle ich auch auf Elternabenden. Aber richtig durch dringt sie nicht zu allen Eltern.

Außerdem erarbeiten wir mit den Kindern vorher schon, was ein Kind erfüllen muss, um eine Gym-Empfehlung zu bekommen. Und wir besprechen auch, welche Möglichkeiten man ohne Abitur hat, bzw. welche Möglichkeiten es gibt, das Abitur auf anderer Weise zu erwerben. Dabei erfahren wir auch regelmäßig, dass die viele Schüler in dem Alter einen Berufswunsch haben, für den sie gar nicht unbedingt das Abitur benötigen: Polizist, Koch, Schauspieler.

Auch das alles wird beim Elternabend zu Beginn der 4. Klasse angesprochen.

Der Druck der Eltern, bzw. der Wunsch, diese nicht entäuschen zu wollen, wiegt aber häufig schwerer.

Wie gehen die Eltern mit den Empfehlungen um?

Bei uns finden die Gespräche im November statt und es sind pro Schüler ca. 20Minuten angesetzt. Wenn man es ganz genau nimmt, muss ich davon ausgehen, dass die meisten Eltern sehr wohl eine Vorstellung davon haben, welche Empfehlung wir aussprechen- schließlich haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Zeugnisse ausgegeben und mindestens neun Gespräche geführt. Dennoch sind die Eltern manchmal überrascht.

“Es wäre schön gewesen, hätten Sie uns früher mitgeteilt, dass wir zu Hause mit Heiko üben müssen. Das nenn ich dann mal pädagogisches Versagen.”

Wie gesagt hätten die Zeugnisse der letzten Jahre durchhaus darauf hinweisen können- aber wer liest die schon? Also herzlichen Dank für die unfreundliche Google-Bewertung!

Vor einigen Jahren fand ein weiteres Gespräch statt. Nachdem der Papa zunächst bei der Klassenlehrerin abgeblitzt war, beschwerte er sich durch alle Schulinstanzen hindurch und landete schließlich bei mir:

“Ich habe gehört, Sie haben eine Frage zu der Empfehlung von Markus?”

– “Ich habe keine Frage dazu. Ich akzeptiere das so nicht.”

“Sie müssen das nicht so sehen, wie wir. Es ist lediglich ein Empfehlung. Sie können Markus überall dort anmelden, wo Sie es für richtig halten.”

– “Frau G. konnte die Entscheidung nicht einmal begründen!”

“Sehen Sie, zur Leistung kann ich gar nichts sagen, aber Ihr Sohn ist jetzt seit zwei Jahren an unserer Schule und Sie bringen ihn immer noch hoch zur Klasse und holen ihn dort zum Unterrichtsende wieder ab. Sie selbst begründen das damit, dass er es sonst nicht schafft.”

– “Mir wurde nie gesagt, dass das Einfluss auf die Empfehlung hat.”

“Sie wurden mehrfach darauf hingewiesen, das zu unterlassen und gebeten Ihren Sohn dabei zu unterstützen, selbständiger zu werden. Ich kann da leider nichts für Sie tun, die Empfehlung wurde in einer Konferenz beschlossen.”

Unverständnis- vermutlich auf beiden Seiten.

Ein anderes Erlebnis, welches auch bereits einige Jahre her ist:

“Herr Blumig, es geht um die Empfehlung?”

– “Korrekt, also wissen Sie schon, dass ihre Kollegen da etwas nicht ganz richtig entschieden haben.”

” … ”

– “Also, wir ziehen vermutlich nach Bayern. Dort kommt man nur ein ein Gymnasium, wenn man eine solche Empfehlung hat. Können wir da noch was machen?”

“Ich denke nicht. Hören Sie, Sie müssen sich ja nun an den anderen Schulen anmelden. Innerhalb von zwei Wochen wird sich Tamira wohl kaum in allen Hauptfächern um zwei “Noten” verbessern.”

– “Ihnen ist klar, dass Sie hier auf Grund lächerlicher Regeln einem schlauen Mädchen die Zukunft versauen?”

Daraufhin erklärte ich die anderen Möglichkeiten, auch später noch das Abitur zu erwerben bzw. ein glückliches Leben ohne Abitur zu führen. Die Familie blieb übrigens in Hamburg und Tamira ging zwei Jahre aufs Gymnasium, danach wurde sie umgeschult.

Mein Lieblingssatz bisher war aber einer, der nich an uns, sondern an den eigenen Sohn gerichtet war:

“Wir schicken dich an eine Privatschule und schaffst es nicht mal, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen!”

Dieser Druck, liebe Eltern, muss nicht sein. Von Kollegen an anderen Schulen weiß ich, dass Eltern auch gerne mal klagen- also, mit Anwalt und so. Was absolut, verzeiht meine Wortwahl, dämlich ist, da die Entscheidung am Ende eh bei den Eltern liegt. Damit zeigt man den Kindern nicht, dass man für sein Recht einsteht, sondern dass man sich mit genug Krawall alles erkämpfen kann.

Wir haben aber auch tolle Eltern. Die versuchen ihren Kindern rechtzeitig zu helfen. Die können den Leistungsstand der Kinder selbst gut einschätzen und trotzdem manchmal schlucken sie bei der Empfehlung anchmal, weil sie sich trotz aller “Einsicht” doch ganz insgeheim etwas anderes gewünscht haben, akzeptieren unsere Empfehlung aber dann.

Natürlich kommt es vor, dass Schüler, die wir nicht aufs Gymnasium empfehlen, dass ganz wunderbar packen und andersherum kommt es auch vor, dass Schüler mit einer Gymnasialempfehlung den Anforderungen dort nicht gewachsen sind. Es sind eben nur Empfehlungen.

Ein Schüler kam nach seinem Empfehlungsgespräch neulich zu mir, wie ein Rennfahrer, der ein Rennen verloren hat:

“Na, Finn, wie liefs?”

– “Ach, es hat ganz knapp nicht gereicht.”

“Und weißt du, woran es liegt?”

– “Ja, ich hab tolle Fortschritte gemacht, brauch aber noch etwss Zeit um ganz da zu sein, wo ich hinmuss. Aber ich versuch trotzdem, mich hier am Gym zu bewerben.”

Und dann hüpfte er davon. Nicht belastet. Sondern optimistisch. Und diese Eltern haben es richtig gemacht.

Lehrer sind nicht allwissend

Wie alle wissen, liebe ich meinen Job.

Die Mischung aus Unterricht und Leitung ist der ideale Mix. Die Mischung aus Unterricht und Leitung hat mich auch gelehrt, dass ich nicht jede Stunde perfekt planen kann und manchmal tut es einfach auch eine geschickte Improvisation.

Z.B. habe ich zu Beginn des Schuljahres mit einer dritten und einer vierten Klasse jeweils ein Buch gelesen. In der Stunde, in der die Kids anfingen, das Buch zu lesen, hatte ich das noch nicht getan. Ehrlich gesagt, habe ich eines der beiden Bücher bis heute nicht komplett gelesen. Und trotzdem habe ich Lesetagebücher dazu bewertet. Unprofessionell? Oder super professionell, da der Unterricht trotzdem gelungen ist?

Nun stand als nächstes mein Hassthema auf dem Plan: Die vier Fälle des Nomens. ICH KANN MIR DAS EINFACH NICHT MERKEN. Ich war noch nie so der Auswendiglerner. Deshalb habe ich damals Bio abgewählt und mein mündliches Abi lieber in Mathe gemacht. Deshalb rechne ich sogar das kleine Einmaleins immer noch mit den Fingern. Nicht alle Aufgaben, aber warum 7×8 auch den Kids schwerfällt, kann ich nur zu gut verstehen.

So, nun also die Vier Fälle des Nomens. Anscheinend hat mich damals niemand gezwungen, die auswendig zu lernen. Also dachte ich mir, ich mache es besser, und gebe es den Kindern als Hausaufgabe (die wir an unserer Schule nicht haben) auf. Und prompt konnten die Kinder nach dem Wochenende die vier Fälle mit den passenden Fragewörtern benennen. Und ich? Immer noch nicht.

Wenn ich die Kinder fragte: “In welchem Fall steht das Nomen in diesem Satz?”, musste ich einfach hoffen, dass es stimmt, was der Schüler sagt. Manchmal aber, kam mir das dann doch falsch vor und ich stotterte: “Nee, das ist falsch. Achso nee, doch nicht. Richtig, gut gemacht.”

…und dann gab ich einfach zu, dass das nicht mein Thema ist. Dass die Kinder das jetzt schon besser können als ich. Und, dass ich es wohl nie lernen werde.

Im Abschlusskreis haben wir dann eine Lobrunde gemacht. Das mache ich oft, weil ich Anerkennung für die Lehrer-Schüler-Beziehung und Schüler-Schüler-Beziehung so wichtig finde. Und überraschenderweise bekam ICH, ausgerechnet ICH, viel Lob von den Kids. Dafür, dass ich zugegeben habe, dass ich das nicht so gut kann. Dafür, dass ich den Kindern sage, dass sie etwas besser können, als ich. Dafür, dass so wenige Erwachsene so etwas zugeben.

Und ich bekam Verständnis, denn es sei ja nicht leicht, so viel Unterricht für so viele Klassen vorzubereiten. Und jeden Tag Streit zu klären. Oder Diktate zu kontrollieren. Sie wissen schon, wie viel ich weiß, nämlich genug Deutsch, Englisch und Sachunterricht für vier Jahre. Da ist es schon okay, ein Thema mal nicht zu können.

Und die Kinder bekamen meine Antwort: “Es ist gar nicht schwer, so etwas zuzugeben. Mein Job ist es ja, die Kinder schlau zu machen. Und am besten sollen sie schlauer werden als ich. Wenn das jetzt schon der Fall ist, hab ich ja alles richtig gemacht.”

Um die Kids zu überraschen, habe ich mich daran gemacht, die vier Fälle dann doch auch mal selbst auswendig zu lernen. Und dann habe ich ihnen mein Auswendiggelerntes präsentiert. Und sie haben applaudiert und sich mit mir gefreut. Von Herzen.

Gestern traf ich dann noch eine Mama. Sie sagte, wie sehr sie sich freue, dass ich jetzt endlich die Deutschlehrerin der Klasse sei. Ich erzählte ihr, dass der Unterricht dort wie Urlaub ist. So entspannt. Und wie sehr ich die Klasse mag. Ich fragte sie, ob Nina ihr erzählt habe, dass ich das Thema nicht beherrsche. Wusste sie nicht. Aber sie freute sich, dass ich das den Kindern gegenüber zugegeben habe. Das mache mich als Lehrerin so besonders und authentisch.

Mein Herz ist geplatzt vor Freude.

Übrigens werde ich nicht aufhören damit, Schwächen zuzugeben und mich zu entschuldigen, wenn ich mich Kindern gegenüber im Ton vergreife oder etwas nicht weiß. Denn sie lernen am besten, durch gute Vorbilder. Und ich möchte dieses Vorbild sein.

Systemsprenger – erschreckend nah an der Wirklichkeit?

Wie wahrscheinlich jeder Pädagoge dieses Landes ging auch ich ins Kino um mir den Film “Systemsprenger” anzuschauen. Meine Freundin, von Beruf Erzieherin, und ich holten uns an der Kasse Popcorn, wohlwissend, dass der Film eigentlich kein Popcorn-Film ist.

Ohne zu viel über den Film sagen zu wollen, konnte ich in Benni einige Schüler erkennen, welche ich schon erlebt habe, seit ich Lehrerin bin. Natürlich ist Benni extrem. Natürlich finden wir so ein Mädchen, das solch extreme Probleme hat, nicht in jeder Klasse.

Was wir aber in vielen Klassen finden, sind Kinder, denen wir ebenso hilflos gegenüber stehen, wie die Lehrer im Film Benni. Aber nicht nur die Lehrer.

Tipps für eine bessere Elternkommunikation

… und wie man Missverständnisse im Keim erstickt

In den Jahren, in denen ich Lehrerin bin, wurde mir eines klar: Das was den Job für mich und viele meiner Kollegen und Kolleginnen am allerallerschwersten macht, sind nicht die Schüler, nicht die Vorgaben der Behörde und nicht die fehlenden Mittel. Das, was diesen Job manchmal zu einer Herausforderung macht, sind die Eltern, die Ansprüche an ihre Kinder und damit einhergehend an unsere Schule als Privatschule einerseits, die Gleichgültigkeit anderer Eltern andererseits. Bei beiden Elterngruppen gibt es diejenigen, die so wirken, als würden sie denken, dass die Schule bestimmte Dinge tun muss, weil die Eltern dafür ja schließlich bezahlen. Das bedeutet auch, dass sie manchmal denken, sie können ins Konzept eingreifen, die Auswahl der Lehrer mitbestimmen und einiges mehr. Alles, was ich hier beschreibe ist kein Phänomen, welches es nur an Privatschulen gibt.

Ich habe ein paar Tipps zusammengefasst, die mir dabei helfen, ein entspanntes und vertrauensvolles Verhältnis zu den engagierten Eltern aufzubauen und dieses Verhältnis zu pflegen.

1. Arbeite unerlässlich und vom ersten Tag an der Lehrer-Schüler-Beziehung

Sei fair und gerecht. Mache deinen Schülern deine Erwartungen klar und auch die Konsequenzen. Entschuldige dich, wenn du einen Schüler ungerecht behandelst oder einen Fehler machst. Lache viel. Höre den Schülern zu (dafür können Aufsichten auf dem Schulhof wunderbar genutzt werden). Interessiere dich für die Freizeitgestaltung deiner Schüler.

Wenn die Schüler zu Hause positiv von dir erzählen, ist es wahrscheinlich, dass deren Eltern dir auch positiv gegenüberstehen.

2. Gib den Eltern so viele Informationen wie möglich

Das ist ein Tipp, den viele neue Kollegen bei uns nicht umsetzen können. Weil das ein Tipp ist, der auf den ersten Blick Zeit kostet und Mehrarbeit bedeutet. Konkret meint das: Schreibe monatliche Newsletter, in denen es um behandelte Unterrichtsinhalte geht, um anstehende Termine, Ausflüge usw. Auch nachfolgende Tipps können im Newsletter Platz finden.

3. Sprich stets positiv von der Entwicklung der Klasse und davon, wie stolz du auf die Kinder bist

Ich weiß, ich weiß, das ist nicht immer leicht. Manche Lehrer verzweifeln an manchen Lerngruppen. Sie ziehen alle Energie und geben einem das Gefühl, kämpfen zu müssen. Trotzdem gibt es Dinge, in denen sich die Klasse entwickelt: Vielleicht ist die Klasse an den Experimenten im Sachunterricht super interessiert, vielleicht schaffen es einige, Streits nun ohne die Hilfe der Lehrkraft zu klären, vielleicht beherrschen fast alle endlich das kleine Einmaleins einigermaßen sicher. Es geht nicht darum, zu lügen, sondern darum, sich auf die positven Seiten zu konzentrieren, welche jede Klasse hat. Solche Informationen beruhigen Eltern, genau so wie…

4. Zeig den Eltern Fotos der Kinder

Dass das aus Datenschutzgründen an einigen Schulen nicht geht, ist mir klar. Vielleicht ist es ja möglich, das am Elternabend mit den Eltern vorzubesprechen. “Ich würde Ihnen gerne allen hin und wieder Fotos von Projekten und Erlebnissen mit Ihren Kindern zeigen, damit sie einen umfangreichen Einblick in die Schulzeit der Klasse erhalten. Dafür benötige ich Ihr Einverständnis.” Bei uns haben wir noch nie erlebt, dass Eltern nicht einverstanden waren. Im Gegenteil bekommen wir häufig die Rückmeldung, dass die Eltern sich über Fotos im Anhang einer Mail sehr freuen.

Wenn die Eltern sehen, dass ihr Kind Spaß am Lernen hat, schafft das Vertrauen in deine Kompetenz als Lehrer.

5. Schreib den Eltern einfach mal so und binde sie mit ein

Eltern freuen sich darüber, wenn Sie sich gesehen fühlen. Wenn du meinen ersten Tipp berzigst, weißt du einiges über die Freizeitgestaltung der Kinder. Frag doch mal nach, in welcher Position das Kind beim Fußball spielt, wie das Wochenende bei Oma an der Nordsee war und ob die Eltern wissen, dass sowohl dein Lieblingsgericht als auch das des Kindes Salamipizza ist. Gemeinsamkeiten schaffen Verbindung.

Ein ruhiges Kind hat in meiner ersten Klasse im Morgenkreis sehr viel von seinen neuen Häschen erzählt, obwohl er sonst nicht so viel erzählt. Ich nahm das zum Anlass, der Mutter zu berichten, wie sehr mich das freut und zu fragen, ob er nicht mal Fotos für ein Show&Tell mitbringen könne. Die Mama war sehr dankbar und schrieb sofort eine wirklich nette Mail zurück.

Protipp: Manchmal, wenn ich in der letzten Stunde frei habe, setze ich mich auf eine der Bänke vor der Schule und plaudere ein wenig mit den Eltern, die ich kenne. Ich frage, wie es ihnen geht, erzähle ein wenig über die Entwicklung des Kindes. Die Eltern wissen das zu schätzen und es wirkt nicht konstruiert (solange ich dort nicht im Regen sitze und auf Eltern warte).

6. Lehrer-Eltern-Hefte für den kurzen Kommunikationsweg

Dieser Tipp ist nun wirklich kein Insidertipp. Aber um den Eltern ein schnelles Feedback zu geben, nutzen wir das Lehrer-Eltern-Heft von TimeTex , ab der dritten Klasse das Schülerlogbuch von Timetex. Ich nutze zum Beispiel die Arbeitsphasen oder Frühstückspausen der Schüler für Einträge. Meine Faustregel lautet: Für jeden negativen Eintrag (“XY hat die Sportschuhe vergessen.”, “XY hat den Unterricht gestört”), trage ich in ein anderes Logbuch etwas Positives ein.

Diese Hefte sollten auf keinen Fall systematisch zum Belohnen und Bestrafen genutzt werden. (s.a. Wie machst du das ohne Belohnungssystem?)

7. Nutze den ersten Elternabend

Der erste Eindruck zählt. Sei gut vorbereitet, positiv und offen für Anregungen. Was sich als sehr gut erwiesen hat, ist, die Schüler vor dem Elternabend aufschreiben zu lassen, was ihnen an der Schule oder Klasse gefällt und die Eltern die Schülerzitate als Warmup zu Beginn des EA vorlesen zu lassen.

Zufriedene Kids, zufriedene Eltern.

8. Probleme frühzeitig erkennen und kommunizieren

Sobald dir auffällt, dass ein Kind Probleme in einem Bereich hat, solltest du die Eltern darüber informieren. Häufig ist das kein Grund zur Sorge (z.B., wenn ein Kind zum Ende der ersten Klasse noch nicht so gut liest, wie die Mitschüler, weil sich Kinder eben unterschiedlich entwickeln) und ihnen Möglichkeiten zur Unterstützung anbieten. Dafür empfehle ich Telefonate oder persönliche Treffen. So haben die Eltern das Gefühl, dass du das Kind im Blick hast. Außerdem eröffnest du so die Möglichkeit für die Eltern, auf dich zuzukommen.

9. Nimm die Anliegen der Eltern ernst

…egal wie dämlich sie dir erscheinen. Denn wir sollten immer davon ausgehen, dass sich hinter jedem Anliegen eine positive Absicht verbirgt (s.a. Was Eltern und Lehrer verstehen müssen).

Wenn du es schaffst, Verständnis für die Situation der Eltern aufzubringen, werden sie es spüren und das wiederrum vertieft eure vertrauensvoll Beziehung.

10. Sei menschlich und transparent

Ja, ich weiß, wie anstrengend es sein kann, dass viele Eltern meinen, uns unseren Job erklären zu können, nur weil sie selbst mal eine Schule besucht haben. Oder weil es bei den Freunden des Sohnes aus dem Fußballverein ja ganz anders läuft. Oder weil sie selbst es nicht schaffen, loszulassen. Aber, das alles hat nichts mit dir und deiner Arbeit zu tun. Wenn du das Kind aus der Klasse trägst, weil es partout nicht vor die Tür gehen wollte, als der Lehrer es nach permanenter Störung rausgeschickt hat, ist das wohl etwas, was du danach reflektierst und dich fragst, was dich dazu getrieben hat. Aber es ist passiert. Und es wäre wahnsinnig blöd, wenn die Eltern das vom Kind erfahren. Also schreibe noch vor Schulschluss eine kurze Mail oder ruf an, schildere die Situation aus deiner Sicht und sag einfach, dass du gerne anders reagiert hättest, aber es in dieser Situation nicht konntest und sag unbedingt, dass du das mit dem Kind im Nachhinein besprochen und dich dafür beim Kind entschuldigt hast und für beide Seiten dieser Vorfall nun geklärt ist. Dafür ist ein aufrichtiges und ernsthafte Gespräch mit dem Kind unerlässlich.

Been there- done that! Mehr als einmal.

Ich möchte euch von einem weiteren Beispiel erzählen, welches ich vor einigen Jahren so ähnlich erlebt habe:

Vor einigen Jahren fing eine junge Kollegin bei uns in der Grundschule an. Sie durfte Deutsch in der ersten Klasse unterrichten. Im Sinne der Individualisierung ließ sie die Kinder zunächst im eigenen Tempo arbeiten. Das führte dazu, dass sich einzelne Schüler nach sechs Wochen Schule schon acht Buchstaben bearbeitet hatten, andere aber erst zwei. Bei all der gewünschten Individualisierung hat sie dabei ein wenig den Überblick verloren und wir wussten, dass so verschieden stark bearbeitete Hefte bei den Eltern zu Sorgen führen kann. Das wollten wir aber nicht. Daher haben wir uns folgenden Plan überlegt: Im Newsletter sollte sie erklären, aus welchen Gründen sie sich für diese Vorgehensweise entschieden hat und auch, wie sie zukünftig vorgehen wird.

Dies hat den Eltern den Wind aus den Segeln genommen, bevor es zu Fragen oder gar Unmut kommen konnte und bevor die Eltern auf die unterschiedlich intensiv bearbeiteten Hefte stoßen konnten.

11. Eltern zur Verantwortung ziehen

Wenn du die Eltern deiner Schüler über Schwierigkeiten informiert hast, nimm sie in die Pflicht, auch zu Hause daran zu arbeiten. Halte Vereinbarungen schriftlich fest und hinterlege sie in der Schülerakte- egal wie unwichtig sie dir erscheinen. Somit kannst du dich immer darauf beziehen. Ob die Eltern mitarbeiten oder nicht, können wir nicht immer beeinflussen. Aber wir können alles tun, was wir tun können (s.a. Leider kann man sie nicht alle retten ).

12. Sei und bleib der Boss

Auch wenn du all diese Tipps berücksichtigst, wirst du unter Umständen auf distanzlose Eltern treffen, die alles jetzt und sofort wissen und besprechen müssen. Sei auch ihnen gegenüber klar in deinen Erwartungen: Lass keine Tür-und- Angelgespräche zu und beantworte Mails nicht sofort. Du musst auch nachmittags nicht für die Eltern erreichbar sein. Deine Handynummer gehört dir. Nur dir! Wenn sie um ein Gespräch bitten, frag vorher, worum es geht. Es reicht, wenn sie dir Stichpunkte nennen. Dann kannst du dich auf das Gespräch vorbereiten und behältst die Zügel in der Hand. Vielleicht ist es an deiner Schule auch möglich, eine Sprechstunde einzurichten. Dann wissen die Eltern, dass sie dich immer dienstags in der 3. Stunde telefonisch erreichen können.

Genauso wie Kinder Regeln und Strukturen zur Orientierung benötigen, brauchen viele Eltern diese auch.

12 Ideen für Lehrer für die Herbstferien

…und für alle anderen, die ihren Urlaub zu Hause verbringen

Es sind endlich wieder Ferien. Zumindest in Hamburg liegen viele laaaaaaange Wochen des neuen Schuljahres hinter uns. Ich verbringe diese Ferien, übrigens meine Lieblingsferien, zu Hause und habe eine Liste mit Ideen für die Herbstferien zusammengestellt, die kaum etwas kosten.

1. Nichts für die Schule machen. Und wenn das wirklich unausweichlich sein sollte, empfehle ich im Voraus zwei Tage festzulegen, die dafür vorgesehen sind. Am besten liegen die gleich am Anfang der Ferien, damit man den Kopf frei hat und nicht immer daran denkt, was man noch alles erledigen muss.

2. NICHT ausschlafen. Ja, richtig gelesen. Ich empfehle, nicht viel länger zu schlafen, als an Arbeitstagen. Schon nach einem Wochenende sind viele von uns am Montag besonders müde. Das liegt daran, dass sich am Wochenende unser Schlafrhythmus ändert und wir so jeden Montag quasi einen Mini-Jetlag erleben. Nun stellt euch mal vor, euer Körper muss sich nach zwei Wochen wieder umstellen. Pluspunkt: Ihr habt mehr vom Tag.

3. Routinen und Rituale einführen: Jeden Morgen mit einer Tasse Tee und einem entspannten Frühstück beginnen, vielleicht sogar mit Yoga oder einer Meditation. Den Tag beenden kann man mit einem Entspannungsbad und einer heißen Zitrone. Klingt himmlisch, oder?

4. Einfach mal auf Koffein verzichten: Ich weiß, während der Schulzeit ist das fast unvorstellbar. Aber hey, die Ferien dienen der Entspannung. Ich weiß aus Erfahrung, dass es nach den ersten 5 Tagen leichter wird. Versprochen.

5. Serien gucken oder lesen. Gibt es etwas Schöneres, als gemütlich in eine Kuscheldecke gewickelt, mit Tee oder heißer Schokolode in der Hand und herrlichen Duftkerzen im Zimmer auf dem Sofa zu lümmeln? Und das ganz ohne schlechtes Gewissen… Mein absoluter Herbst-Favourite ist übrigens die Serie Gilmore Girls. Keine Serie kann so die Stimmung der verschiedenen Jahreszeiten wiedergeben, wie diese.

6. Frisch und gesund kochen. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber während der Schulzeit koche ich nicht, da “mache ich mir Essen”. Mal ‘nen Salat, mal Nudeln, mal ‘ne Pizza. Aber jetzt, wo wir Zeit haben, können wir endlich mal die ganzen Pinterestrezepte ausprobieren, die wir schon seit Jahren auf unserer Pinnwand gespeichert haben.

7. Jeden Tag eine Aufgabe einplanen: Müssen eure Fenster auch mal wieder geputzt oder das Unkraut im Garten gezupft werden? Auch wenn wir uns ausruhen sollen, fühlen wir uns doch so viel besser, wenn wir auch produktiv sind.

8. Mit Nichtlehrern treffen. Das ist wichtig, denn sonst geht es doch wieder nur um Schule, Unterricht, Schüler oder schwierige Eltern.

9. Mal wieder ins Kino gehen- aber in ein kleines. Es laufen gerade ein paar Filme im Kino, die wirklich Charme haben. Davon kriegen wir in Zeiten von Netflix und Amazon nur nichts mit.

10. Das Zuhause dekorieren. Die Herbstzeit bietet so viel Dekopotential. Wer nicht auf knalliges Kürbisorange steht, kann diese z.B. auch schwarz und weiß ansprühen und mit etwas Silber und Gold verzieren. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

11. Den Kleiderschrank aussortieren. Ich mache das so: Alles aus dem Schrank auf den Boden schmeißen und nur die Dinge zurückräumen, die ich behalten möchte. Klingt erst einmal nach Arbeit, ist aber unglaublich befreiend. Vielleicht wird man ja das ein oder andere Teil noch online oder auf dem Flohmarkt los. Man kann es aber auch spenden. Besonders in Großstädten werden jetzt wieder warme Klamotten für Obdachlose gesammelt.

12. Dinge unternehmen, die man schon lange vorhatte: Ans Meer oder in die Berge fahren, im Wald spazieren gehen, endlich im Fitnessstudio anmelden (oder einfach mal wieder hingehen), mal wieder shoppen gehen, sich mit DIESER EINEN Person treffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Einfach das machen, worauf man Lust hat.

An meiner Schule gibt es keinen Religionsunterricht…

…und ich als Religionslehrerin finde das gut so.

Als ich vor fünf Jahren direkt nach dem Ref an meine Immernoch-Schule ging, fand ich es recht merkwürdig, dass meine Schule weder Religionsunterricht, noch Ethik oder Philosophie anbietet. Denn ich liebte, und tue es noch heute, mein Fach. Geschichten aus der Bibel bieten soviele Anlässe für Gespräche, Figuren darin liefern Vorbilder oder Negativbeispiele und auf die 10 Gebote gründet sich unser Grundgesetz.

Ich wurde von meinem Chef damit vetröstet, dass ich den ganzen Bereich “Soziales Lernen” im Deutsch- oder Sachunterricht einbringen kann wie es mir beliebt und mir mit unserem Morgen- und Abschlusskreis, sowie dem Klassenrat (damals war der noch nicht ganz so selbstverständlich wie heute) ausreichend Raum für Gespräche bliebe. Mittlerweile haben wir sogar ein Fach, dass “Lernen lernen” heißt. In unserem Curriculum ist der Bereich “Soziales Lernen” über alle Grundschulklassen hinweg verankert. Kinderbücher, die auch viel im Religionsunterricht eingesetzt werden, wie “Irgendwie anders” oder “Das kleine Wir”, finden ihren Einsatz dann also im Deutschunterricht und bei Lernen lenen.

Auch Bibelgeschichten kommen zum Einsatz: Einmal im Jahr haben wir eine Kulturwoche. Immer im Wechsel beschäftigen wir uns mit einer von vier Religionen. In diesem Jahr war es das Christentum; das Unterthema war “Jesus” Die Woche ist so aufgebaut, dass zwar der normale Fachunterricht stattfindet, aber zum Thema Christentum gearbeitet wird.

Praktisch sieht das so aus, dass ich in der 3. Klasse eine Wundergeschichte mit den Kindern gelesen habe und sie dazu in jeder Stunde Aufgaben bekamen: Ein Quiz erstellen (welches ich dann auch mit der 2.Klasse spielen konnte), eine Zusammenfassung schreiben, Standbilder bauen und ein Brief an Jesus schreiben. In der letzten Stunde habe ich mit den Kindern darüber philosophiert, ob es Jesus wirklich gab – philosophieren ist fester Bestandteil meines Deutschunterrichts und den Kindern daher bekannt. Im Matheunterricht haben sich die Kinder Rechengeschichten zu einer Bibelgeschichte ausgedacht und mit Jahreszahlen gerechnet (vielen Kindern ist ja gar nicht bekannt, dass wir in einer christlichen Zeitrechnung leben), im Sachunterricht wurde ein Dorf aus der Zeit von Jesus nachgebaut, im Musikunterricht christliche Lieder gesungen usw. Außerdem machen wir in jeder Kulturwoche mindestens einen Ausflug: Kirche, Moschee, Synagoge…alles möglich.

Die Intensität der Woche ist ein Grund, warum ich den Religionsunterricht nicht vermisse. Aber es gibt noch weitere:

1. Religion spielt im Alltag vieler unserer Schüler keine Rolle mehr.

2. Als evangelische Religionslehrerin kann ich gar nicht, egal wie sehr ich es versuche, allen Religionen gleichermaßen gerecht werden. Und das gilt nicht einmal nur für verschiedene Religionen- auch im Christentum allein gibt es so viele verschiedene Untergruppen, von denen ich, wenn wir mal ehrlich sind, gerade einmal eine überzeugt bedienenen kann. Muslimische Kinder gehen manchmal am Wochenende in die Koranschule.

3. Religionen sind ein Punkt, in dem viele Kinder verschieden sind. Ich bin der Meinung, dass das ständige Thematisieren dessen, diesen Unterschied in der Art hervorheben kann, dass es erst zu einem wahrgenommenen Unterschied wird, wohingegend eine Schulumgebung, die Religion gar nicht oder kaum thematisiert, signalisiert: uns ist es egal, welche Religionen hier vertreten sind, denn wir alle sind gleicht toll und Religion spielt keine Rolle. Deshalb kann ich auch ohne Bedenken eine Kreuzkette bei der Arbeit tragen- denn es spielt keine Rolle.

4. Häufig, und das weiß ich sowohl aus eigener Erfahrung, als auch aus Erzählungen von Freundinnen, wird der klassische Religionsunterricht als Klassenstunde genutzt, d.h. für Organisatorisches oder den Klassenrat. Auf die Stunde können Lehrer eher verzichten, als auf Deutsch oder Mathe.

5. Religion verliert in unserer Gesellschaft an Bedeutung. Jaja, mit Religionsunterricht könnte man unter Umständen dagegen wirken. Jaja, in den Medien ist es präsent. Religion spielt dort eine Rolle. Nämlich dann, wenn es um Anschläge oder Flüchtlinge geht. Aber: Kirchen verlieren seit Jahren an Besuchern (ich habe 10 Jahre ehrenamtlich in meiner Gemeinde gearbeitet), an Konfirmanden und Mitgliedern. Das hat damit zu tun, dass Kirche viel Dreck am Stecken hat. Aber auch damit, dass Menschen ihren Halt Momentan woanders suchen. Instagram z.B. quillt über vor lauter Life-Coaches und “Speakern”. Beidem stehe ich skeptisch gegenüber- dennoch ist es der Zeitgeist. Allerdings gibt es mitlwerweile auf dieser Plattform auch einige coole Pastoren, durch die Kirche wieder cool werden könnte, aber…ich würde sagen, wir warten mal ab.

Die Religionen sind verschiedene Wege, die alle zu dem gleichen Punkt hinführen. Was bedeutet es, dass wir unterschiedliche Pfade benutzen, wenn wir doch das gleiche Ziel erreichen? In Wirklichkeit gibt es ebensoviele Religionen, wie Individuen.

– Mahatma Gandhi

Mein Lieblingsargumente für den Religionsunterricht waren immer die Entschleunigung und der bewertungsfreie Raum, denn an vielen Schulen gibt es für diesen Unterricht keine Bewertung. Aber jetzt weiß ich: Entschleunigung und wertfreien Raum, kann man als guter Lehrer auch außerhalb des Religionsunterrichts schaffen.

Ich finde, nachdem ich jetzt fünf Jahre in einer Schule ohne Religionsunterricht arbeite und gerade wieder frisch aus unserer Kulturwoche komme: eine Schule ohne Religionsunterricht ist die bessere Schule, wenn sie denn trotzdem Raum für Religion lässt.

Leider kann man sie nicht alle retten…

Seit ca. einem halben Jahr haben wir einen neuen Kollegen. Er ist kaufmännischer Angestellter bei uns, kontrolliert alles, was mit Zahlen zu tun hat und er hat sein Büro gleich neben meinem.

Letzte Woche, als er quasi auf dem Weg nach draußen war, kam er noch in mein Büro und fragte: “Wie machst du das? Wie kann man diese ganzen Einzelschiksale mitbekommen und dann noch Freude an dem Beruf haben?” Kurz zuvor wurde er Zeuge davon, wie ein Viertklässler wutentbrannt in mein Büro kam und mich anschrie und beleidigte, als ich ihm erzählte, er würde gleich abgeholt werden, nachdem er -mal wieder- einen Wutanfall hatte, weil viel jüngere Kinder ihn “provoziert” hatten.

Ich habe glaube ich schon einmal erzählt, dass wir häufig Schüler bekommen, die schon eine sehr schlechte Schulerfahrung hinter sich haben. Häufig kommen die Eltern mit ihren Kindern dann zu uns, in der Hoffnung, dass an einer Privatschule alles anders wird. Manchmal wird es das auch. Immer dann, wenn die negative Schulerfahrung tatsächlich an der anderen Schule, heißt den dortigen Lehrern oder Mitschülern, lag.

Manchmal -und das kommt ziemlich häufig vor- liegt das Problem aber nicht an der Schule. Sondern am Verhalten des Kindes. Und dieses resultiert meist aus ganz anderen Erfahrungen. Nämlich denen im Elternhaus. Nur sehen diese Eltern das manchmal einfach nicht. Fehlende Liebe und Wertschätzung können wir nicht auffangen. Dann verhalten sich Kinder auch bei uns störend.

Wie macht man das also?

Ich zuckte die Schultern und sagte dann:

“Irgendwann musst du feststellen, dass man sie nicht alle retten kann. Man kann jeden Tag sein Bestes geben und den Kindern in der Schule die Wertschätzung geben, die wir geben können. Unsere Aufmerksamkeit, geteilt durch 20, reicht aber nicht aus, um das aufzufangen, was das Zuhause dem Kind nicht gibt. Das ist traurig, tragisch sogar, wenn man sich das aber nicht ziemlich schnell klar macht, dann geht man kaputt.

Vielleicht ist es ein bisschen so, wie bei Ärzten in der Notaufnahme. Wenn die sich jeden Toten zu Herzen nehmen würden, könnten sie den Beruf nicht machen. Man muss sich ein wenig davon distanzieren. Das heißt ja nicht, dass ein Kind mir nicht leid tut. “

Er könne das nicht, sagte mein Kollege daraufhin. Er möge Kinder viel zu sehr.

Ich habe noch lange über dieses Gespräch nachgedacht, weil es irgendwie so gar nicht nach mir klingt. Ich möchte, dass alle Kinder die Kindheit und Jugend bekommen, die sie verdienen. Ich möchte, dass alle Kinder glücklich sind. Ich würde gerne für die Eltern eine beratende Kraft sein, eine Schulter zum Anlehnen und eine Freundin, die sie aufbaut. Aber das BIN ich nicht. Und ich kann es nicht sein. Denn das ist nicht mein Job und die Eltern sind nicht meine Freunde.

Ich möchte meinen Job machen, aber gleichzeitig möchte ich nachmittags ich sein. Ich möchte ein Leben haben, in dem ich mehr die schönen Seiten sehe – das Selbe gilt auch für meine Arbeit. Deshalb dominiert am Ende des Tages auch nicht der tausendste Wutausbruch von Tommi meine Gedanken, sondern die Tatsache, dass Tommi vorhin zwei Seiten geschrieben hat. Dass er gestern freiwillig den Tischdienst übernommen hat. Dass er beim letzten Diktat die Hälfte der Wörter richtig geschrieben hat. Dass er mir morgens die Tür aufgehalten hat und dass er sich, kurz nachdem er mich verfluchte und anschrie, bei mir entschuldigte und die Entschuldigung, da bin ich mir sicher, Ernst meinte.

11 Berufe, die in “Lehrer” eigentlich auch stecken, von denen ich früher nichts ahnte:

Krankenschwester: Magen-Darm, einen halben Liter Blut verlieren, Schürfwunden, Beulen, blaue Flecken, Prellungen, Brüche, Gehirnerschütterungen- es gibt nichts, was ich noch nicht verarztet habe.

Streitschlichterin/ Sozialpädagogin: Streits kläre ich und zwar immer und immer wieder…

Telefonseelsorgerin: Viele Eltern benötigen eine besondere Betüddelung und müssen gaaaaanz viel gesehen und gehört werden “Ja, ich verstehe Sie!” “Ja, ich weiß, Sie haben es nicht leicht!”

Motivationscoach: Ich weiß, wieviel in den kleinen Monstern steckt und ich tue alles, damit auch sie ihr volles Potential entdecken und nutzen können.

Putzfrau: Das lass ich mal so stehen.

Psychologin: Die kleinen Rabauken haben alle ihr Päckchen zu tragen und bei einigen äußert sich das durch äußerst unangepasstes Verhalten. Doch das ist lange nicht alles ADHS. Aber was ist es dann?

Juristin: Mal bin ich Anwältin, mal Staatsanwältin, mal Mediatorin, mal Notarin und mal Richterin. Vollkommen zurecht. Mit dem zweiten Staatsexamen habe ich mir diese Berufsbezeichnung auch mehr als verdient.

Zirkusdompteur: Muss ich das wirklich erklären?

Partyplanerin: Ich kann alles: Fasching, Weihnachtsfeier, Kindergeburtstag. Buchungsanfragen bitte an LehrerpartyKlassenzimmer@spaß.de

Buchhalterin: Ich hasse, hasse, hasse es, das Klassenkonto zu führen; aber es gehört dazu…

Wahrsagerin: Wir Grundschullehrer können in die Zukunft schauen und den Schulabschluss jedes Kindes voraussagen. Hex-hex.

”Also, ich war es nicht.”

Manche sind nur ehrlich geworden, nachdem sie entdeckt haben, dass auch das sich lohnen kann. -Charlie Chaplin

Bei uns in der Schule gibt es etwas Besonderes. Die Kinder bringen nichts von zu Hause mit. Keine Hefte, keine Stifte, nix.

Daher haben wir in der Klasse zwei Stiftestationen, an denen sich die Kinder dann immer Stifte wegnehmen, wenn sie sie brauchen. Doch es gibt da ein Phänomen, eigentlich zwei. Zum einen gibt es einen Kobold, der sämtliche rote Stifte aufbraucht und/oder zerbricht (was passiert mit denen???) und ein schwarzes Loch, das alle Bleistifte verschluckt.

Was tue ich also, wenn nicht genügend Bleistifte da sind? Alle Kinder unterbrechen die Arbeit und durchsuchen den Klassenraum. Das kann bei der Größe von 140m2 (ich lasse das ganz gerne mal unauffällig fallen, um anzugeben) einige Zeit in Anspruch nehmen. Im letzten Schuljahr einmal 40Minuten. Boah, da waren die Kids genervt. Ich am Anfang auch, aber irgendwann fand ich es nur noch witzig. Das alles gipfelte darin, dass die Klasse im Adventskalender jeden Tag einen Bleistift bekam, statt irgendetwas “richtiges”. Die Kids haben es verstanden und mit Humor genommen. Bis zu den Sommerferien gab es nie mehr zu wenig Bleistifte.

Doch nun, ca. vier Wochen im neuen Schuljahr, geht der ganze Stress wieder von vorn los: regelmäßig verschwinden Bleistifte. Erst vor kurzem in der Deutschstunde wurde dann eine Handvoll davon bei Adrian im Regal gefunden. Leon hatte die da angeblich reingepackt. Das solle er in Zukunft lassen. Hat er eingesehen.

Dann, eine Woche später im Klassenrat, kam es zu folgender Situation:

Sina: Ganz oft finden wir bei einem Kind im Regal ganz viele Bleistifte und Radiergummis.

Jasper: Ich weiß, wer die nimmt.

Ich: Oh, bevor du es verrätst, geben wir dem Kind selbst die Chance, sich zu melden und es zuzugeben. Also…??

Ich: Okay, dann frage ich jetzt die Reihe rum (natürlich haben ein paar Kinder den Namen mittlerweile geflüstert).

Toni, warst du’s? – Nein.

Leonora, du? – Äh-äh.

Sascha? – Aber, Miss K., was denkst du denn?

Jasper? – Ich nicht.

Manu? – Nö!

Und letztes Kind: Adrian? – Ja.

Meine Kollegin und ich brachen in lautes Gelächter aus. Die ganze Klasse stimmte mit ein. Nur Adrian rief verständnislos: “Warum lacht ihr denn alle?” , bevor auch er loslachte. Meine Augen haben getränt und ich musste aus der Klasse gehen.

Ist es nicht aber schön, wenn der Klassenrat ein geschützter Raum ist, in dem sich die Kids trauen, zuzugeben, wenn sie etwas falsch gemacht haben? Und ist es nicht schön, wenn die ganze Klasse gemeinsam lacht, statt sich auf den Schüler zu stürzen, der Unsinn macht? Auf solche Situationen folgt dann meist folgendes:

Ich: Hab ich euch eigentlich schon mal gesagt, dass ich unsere Klasse liebe?

(Die ganze Klasse rollt mit den Augen): JAAAAA, TAUSEND MAL.