How to KLASSENRAT

Da in den sozialen Netzwerken von einigen Kollegen und Kolleginnen gefragt wurde, wie die anderen den Klassenrat ein- und durchführen, habe ich mir gedacht, dass ich es einmal detailliert aufschreibe. Ganz vielleicht kann ich damit ja einmal etwas zurückgeben für die ganzen Arbeitsblätter, Bastelideen und sonstigen Materialien, die ich im Online-Lehrerzimmer stibitze.

Der Klassenrat wird an vielen Schulen eingesetzt mit dem Ziel, die Schüler über Probleme kommunizieren zu lassen und um demokratische Grundprinzipien zu vermitteln. Ein Klassenrat macht nur dann Sinn, wenn die Anliegen der Schüler ernstgenommen werden und das Ansprechen dieser für die Schüler eine Veränderung erwirken kann.

Für meine Schule gilt: Bei uns ist der Klassenrat von der Vorschule bis zum Abitur explizit im Stundenplan verankert. Beide Klassenlehrer nehmen an diesem Teil, geleitet wird er aber von den Klassensprechern. Das gelingt ab Klasse 3 problemlos und die Lehrer greifen kaum noch ein. Im Klassenrat werden alle Themen besprochen, die die gesamte Klasse angehen (oder zumindest einen Großteil). Wenn also der Nils mit der Laura immer wieder aneinander gerät, hat das nichts im Klassenrat verloren, wird der Nils aber von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen sehr wohl.

Über die Woche können die Kinder (und Lehrer) Lob auf gelben Zettelchen und andere Anliegen auf weißen Zettelchen mit dem eigenen Namen versehen in den Klassenratsbriefkasten werfen. Erstklässler malen ihr Anliegen oder merken es sich. Beim Klassenrat an sich werden nur Zettel besprochen, die mit einem Namen versehen sind.

Expertentipp: Man sollte unbedingt darauf achten, dass der Klassenrat keine Mecker- oder Beschwerdestunde wird. Daher würde ich immer von “Anliegen” und nicht von “Problemen” oder “Beschwerden” reden.

Zu Beginn des Klassenrats versammeln sich alle Schüler im Sitzkreis. In meiner jetzt abgegebenen vierten Klasse hat es sich ergeben, dass die Klassensprecher nun Rollen zugewiesen haben. Dies ist allerdings über die Jahre und aus der Gruppe heraus entstanden:

1) Assistenten: Die unterstützen die Klassensprecher beim Verteilen der Psst-Karten, aber auch beim Verteilen der grünen Karten.

2) Leisewächter: Dieser hält die Klangschale und ermahnt die Klasse mit diesem Hilfsmittel bei Bedarf zur Ruhe.

3) Erzählhundhalter: Dieser hält den Erzählhund und wirft ihm dem Schüler zu, der das Wort hat.

Nun beginnt der Klassenrat. Jede Phase wird hierbei durch Flashcards unterstützt, welche von den Klassensprechern im Sitzkreis platziert werden.

Phase 0: Klassensprecherversammlung

Hier berichten die Klassensprecher, was bei der Klassensprecherversammlung besprochen wurde. Da die nicht jede Woche stattfindet, findet dies nur bei Bedarf statt.

1. Phase: Lobrunde

Hier werden die Taten einzelner Schüler gelobt, z.B. weil er Lisa in Mathe geholfen hat, Moritz ein Pflaster besorgt hat, immer das Frühstück mit Mara teilt usw. Die Klassensprecher ziehen nacheinander die gelben Zettel und der Verfasser trägt sein Lob vor. Die Klasse stimmt dann gemeinsam ab, ob die Tat eine Lobkarte (gibt es z.B. von Timetex, man kann aber auch Sticker verwenden oder es beim Lob an sich belassen) wert ist. Interessant hierbei war, dass die Klasse irgendwann abgestimmt hat, dass jedes Lob eine Lobkarte wert ist, weil es für das Kind ein wichtiger und lobenswerter Moment war (*schnief*).

2. Phase: Was ist aus den Ergebnissen vom letzten Mal geworden?

Hier lesen die Klassensprecher (in Klasse 1+2 die Lehrer) die Punkte des letzten Klassenrats vor. Hat sich die Klasse zum Beispiel vorgenommen, nicht mehr zu drängeln, wenn sie zum Mittagessen gehen, wird kurz besprochen, wie es geklappt hat. Das haben die Klassensprecher meist mit der Daumenprobe gemacht. Manchmal durften sich noch zwei Schüler äußern. Wenn es sich verbessert hat, wird der Punkt abgehakt, sonst schreiben ihn die Klassensprecher (in Klasse 1+2 die Lehrer) für die kommende Woche wieder ins Protokollheft (ein simples A5-Heft eignet sich da prima).

3. Phase: Welche Anliegen gibt es heute? Welche Lösung finden wir?

Wieder ziehen die Klassensprecher Zettelchen aus der Box -diesmal die weißen. Wieder trägt der Verfasser sein Anliegen vor. Manchmal ist es nur eine Ansage bzw. Erinnerung (z.B. “Ich möchte euch erinnern, im Treppenhaus nicht so zu drängeln!”), manchmal bedürfen die Anliegen mehr Zeit. Zum Beispiel wenn mehrere Schüler ein Problem mit einem Lehrer haben, ihnen die Sitzordnung nicht gefällt oder über die nächste Belohnung entschieden wird usw. In diesen Fällen werden Schüler angehört und es wird nach Lösungen gesucht. Hier benötigen die Kinder manchmal noch Hilfe und Lenkung, aber mit klaren Strukturen und guten Klassensprechern geht es auch ohne dem.

Einige Kolleginnen an meiner Schule lassen zu Beginn des Klassenrats die Anliegen vorlesen und dann die Klasse abstimmen, welche sie besprechen möchten. Das kann man machen (und ich würde es zulassen, wenn es aus der Lerngruppe heraus entsteht), glaube aber, dass es die Schüler dazu verleiten kann, die profitabelsten und bequemsten Themen zu besprechen. Bei Frau Krokus klappt das allerdings so ganz wunderbar.

Natürlich kann man das alles noch ausbauen. Ich für meinen Teil werde es im kommenden Schuljahr mit den Erstis simpel halten. Im ersten halben Jahr übernehmen wir Lehrer zunächst die Rolle der Klassensprecher. Ab den Herbstferien (vielleicht auch früher) werden wir beginnen, Verantwortung abzugeben. Wichtig ist, sich von Vornherein so gut wie es geht zurückzunehmen und ein Vorbild zu sein. Außerdem sollte man mit den Kiddies unbedingt einmal besprechen, wozu der Klassenrat wichtig ist. Dann kann man die Erfahrung machen, dass sogar die Kinder mitreden, denen Kreisgespräche sonst schwer fallen. Schließlich geht es jetzt auch darum, was sie wollen und da lohnt sich das Stillsitzen dann manchmal schon.

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Über die Sommerferien arbeitslos

Überall wird man im Moment darauf aufmerksam gemacht, dass viele Lehrer (und Lehrerinnen) sich mit befristeten Verträgen von Schuljahr zu Schuljahr hangeln, welche die Sommerferien aber gar nicht umfassen.

Es ist so wahnsinnig wichtig, dass das in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Ständig wird am Bildungssystem kritisiert, nicht nur von Lehrern. Auch viele Eltern sind mit vielen Dingen zurecht nicht einverstanden, kritisieren zu große Klassen, hohen Unterrichtsausfall, Gewalt gegen Mitschüler und sogar Lehrer. Dazu kommen noch viele kritische Worte bzgl. subjektiver Probleme (Lehrer doof, Konstantin doof, Kermit-Ergebnis doof, alles doof).

Es entsteht in deutschen Großstädten ein regelrechtes School-Hopping. Das merke ich an meiner Privatschule besonders. Interessant ist hierbei aber der Grund, warum sich viele Eltern nach der 1.,3.,6., 8. … Klasse nach einer neuen Schule für ihren Sprössling umschauen: Nicht, weil unser Profil sie so anspricht (wobei ich persönlich es ja bombig finde), sondern weil die Eltern vieles nicht mehr wollen: Anonymität im System, Lehrerwechsel ohne Ende, den oben genannten Unterrichtsausfall usw.

Ob die Eltern das wissen oder nicht, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung zwar nicht ausschließlich, aber maßgeblich entscheidend für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Diese Beziehung kann aber nicht aufgebaut werden, wenn Lehrer nach jedem Schuljahr gehen oder wenn diese sich gar nicht einlassen wollen auf einzelne Schüler, weil sie nicht wissen, ob sie nach 9 Monaten überhaupt noch da sind. Schon aus diesen Gründen sind befristete Verträge bei Lehrern eine Katrastrophe. Aber nein, ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Natürlich sollen Lehrer sich, wie andere Angestellte in anderen Berufen auch, erst einmal beweisen müssen. Ich würde mal plump sagen (Haters gonna hate) für die “gewöhnliche allgemeinbildene Schule” ist das Referendariat bzw. das zweite Staatsexamen erstmal genug, um die Eignung für diesen Beruf zu beweisen. Für Schulen mit einem besonderen Profil, sieht das sicher anders aus. Aber dann, liebe Verantwortlichen, verteilt Verträge, die IMMER vom 1.8. bis zum 31.7. gehen. Diese Arbeitslosigkeit ist eine Zumutung.

Lehrer sammeln im Laufe des Schuljahres so viele Überstunden an, dass sie diese nur in den Ferien abbauen können. Abgesehen davon, heißt es für Lehrer gar nicht “Ferien”, sondern “unterrichtsfreie Zeit”. Diese Zeit wird für Nachbereitung, Vorbereitung, Fortbildungen usw. genutzt. Die sicherlich überaus notwendige Erholungsphase kommt zu kurz, wenn man in der Zeit arbeitslos ist. Die psychische Belastung kann ich nur erahnen- in einer Berufsgruppe, in der Burnout- und Suchtrate aufgrund der Belastung ohnehin schon erschreckend hoch ist.

Überwiegend haben wir es hier mit jungen Menschen zu tun, die eine 6,5 bis 7jährige Ausbildung (überwiegend unbezahlt) hinter sich haben und nun zu allem Überfluss auch noch Bafög oder einen Studienkredit zurückzahlen müssen und arbeiten wollen. Lehrer, die motiviert sind, wissbegierig, fleißig. Die sich fortbilden wollen. Aber Moment: “Welche Fortbildung besuche ich nur, wenn ich gar nicht weiß, ob ich im nächsten Jahr Physik in Klasse 12 oder Deutsch in Klasse 2 unterrichte? Genau…lieber erstmal gar keine. Hab ich ja auch keine Zeit für. Muss ja zum Arbeitsamt. Oh, und mich neu bewerben. Achja, und mein hart erarbeitetes Geld sparen und gleichzeitig privat hunderte von Euro dafür ausgeben, meinen Unterricht handlungsorientiert und abwechslungsreich zu gestalten.”

Aber wieso nur, gibt es so viele Lehrer, die verbittert sind und schimpfen, die keinen adäquaten Unterricht machen? Die so wirken, als wollen Sie diesen Job nicht?

Vielleicht ja aus dem Grund, dass der Job sie nicht will!

Nachtrag:

Um noch kurz auf einzelne Facebook-Kommentare einzugehen: Ja, in anderen Berufen ist es auch so, macht die Situation für Lehrer aber nicht weniger schlimm.

Ja, man könnte auch “einfach” in ein anderes Bundesland ziehen, denn da verbeamten die einen auch gleich und… Shut up, du Idiot! Dämlicher Kommentar!

….und viele mehr.

Klassenzimmergespräche

Ich liebe meinen Sitzkreis. Gespräche finde ich super wichtig. Die Kinder lernen so viel dabei. Man selbst auch. Ich mache aus allem ein Gesprächsanlass. Aber das konnte ich nicht immer. Früher hatte ich Angst, dass es mir Lernzeit klaut, aber wisst ihr was: Es ist Lernzeit. Und wahrscheinlich mit die wichtigste am Tag.

Tägliche Gesprächsrunden sind:

– tagesrelevante Informationen: Wir gucken vor dem Unterricht von 07:45-08:00Uhr immer die Kindernachrichten vom Vortag und besprechen diese auch. Die Kinder können ihr Hintergrundwissen einbringen, letzte Woche konnten die muslimischen Kinder etwas zum Ramadan erzählen und die Kinder können Fragen stellen. (Außerdem hat es auch noch den Vorteil, dass die Kinder etwas ruhiger sind, nicht durch die Klasse toben und dementsprechend auch der Morgenkreis pünktlich beginnen kann.)

-Morgenkreis: Im Morgenkreis legen die Kinder immer einen Stein aufs “Mood Wheel” und äußern ihr Befinden auf Englisch, z.B. “I am disappointed today.” Die Kinder, die rechts und links von mir sitzen dürfen dann jeweils vier Kinder fragen: “Why are you …today?”, und diese antworten wiederrum- mittlerweile auf Englisch, zu Anfang aber auf Deutsch. So erfährt man, was die Kinder erlebt oder vorhaben und etwas über ihr Leben außerhalb der Schule.

-Stundenreflektion: Nicht täglich aber regelmäßig reflektiere ich mit den Kindern ihr Lern- und Arbeitsverhalten. Meist zunächst mit der Daumenprobe. Die Kinder lernen schnell, einander ehrlich zu reflektieren, einander (und sich selbst) Tipps zu geben und sich Ziele zu setzen.

-Abschlusskreis: Am Ende der letzten Stunde machen wir einen Abschlusskreis. Der kann rückblickend sein (“Was habe ich heute gelernt?”, “Was hat mir heute am besten gefallen?”) oder in die Zukunft gerichtet sein (“Was nehme ich mir für morgen vor?” “Worauf freue ich mich heute Nachmittag?”…). Dabei ist mir wichtig, dass es ein positiver Abschluss ist.

Aber nicht nur diese Gespräche gibt es. Auch andere Anlässe nutze ich:

-Quatschen zwischendurch: Ja, ich lenk meine Schüler manchmal ab, indem ich mich mit ihnen unterhalte. Mit Absicht. Klar, kommt das auf den Schüler an, aber grundsätzlich halte ich das aus mehreren Gründen für sinnvoll: Man vertieft die Lehrer-Schüler-Beziehung, man erfährt etwas über den Schüler oder dessen Stimmung (s.a. “Morgenkreis”) und man gönnt ihm eine Pause. Häufig setze ich die Gespräche auch bewusst bei Kindern ein, bei denen ich merke, dass sie eine Pause benötigen. Danach kann man geschickt das Gespräch wieder zum Thema lenken und das Kind kann weiterarbeiten.

-Konfliktgespräche: Da sprech ich gar nicht mehr so viel. Ich frage nur: “Was möchtest du …. sagen?”, “Was wünschst du dir von …?” “Verstehst du das? /Kannst du das umsetzen?” “Brauchst du noch etwas, damit es für dich geklärt ist?”

-“Mecker-Gespräche”: Ich rufe die Kids häufig in den Pausen zu mir, wenn sie etwas ausgefressen haben. Dann besprechen wir meist das Verhalten, reflektieren es und setzen uns Ziele.

-Entschuldigungs-Gespräche: Mir rutschen im Stress häufig Worte und Sätze raus, die mir hinterher leidtun und daher entschuldige ich mich regelmäßig bei den Kids. Man muss ein Vorbild sein- und wenn ich schon schlimme Dinge sage (man ist ja auch nur ein Mensch), muss ich mich wenigstens entschuldigen.

-Klassenrat: Da sprech ich auch nicht mehr viel. Aber die Kinder, wenn sie erst einmal eine gute Gesprächskompetenz haben: WOW!

Das alles ist ein hartes Stück Arbeit und ich wiederhole auch jetzt, am Ende der vierten Klasse, viele Dinge zum tausendsten Mal. Gesprächsregeln klären, immer wieder, aktives Zuhören schulen, immer wieder, an die Gesprächsregeln erinnern (ja, das steht hier mit Absicht noch mal), immer wieder und wenn es zwei Wochen klappt, wieder von vorne. Bei uns in der Klasse gelingen Gespräche tausendmal besser im Sitzkreis, als Frontalunterricht. Deshalb verpacke ich frontale Phasen gerne so. Einführungen kann ich am Boden, genauso wie am Smartboard machen. Der Unterricht kann lehrergelenkt (ich schreibe extra nicht “lehrerzentriert”) sein und trotzdem nicht so 70er (gibt’s bei mir natürlich auch).

Gespräche führen ist für mich das A und O. Und ich empfehle jedem Lehrer, keine Angst davor zu haben, Unterrichtszeit (in welchem Fach auch immer) für Gespräche aufzuwenden.

Der Countdown läuft

Ich bin lange genug Lehrerin um zu wissen, dass so ziemlich ALLE Kinder zu dieser Zeit des Jahres durch sind. Ich bin außerdem lange genug in diesem Job um zu wissen, dass es bei Viertklässlern doppelt so schlimm ist. Alles ist ungewiss, alles macht Angst, alles ist aufregend. Sie sind voller Vorfreude, Furcht, Ehrgeiz, Zorn, Traurigkeit, Hoffnung und manchmal Wut.

Bei meiner Klasse ist es glaub ich besonders schlimm- die Betonung hierbei liegt auf “besonders” oder “schlimm”, je nachdem.

An unsere Grundschule schließt sich unsere weiterführende Schule an. Bis auf wenigen haben wir all meinen Viertklässlern angeboten bei uns zu bleiben. Einige haben von sich aus entschieden, zu gehen. Von den 14 Mädels bleiben 11, von den 14 Jungs 8- ein guter Schnitt. Nur macht das allzu deutlich, dass die Klasse aufgemischt wird. Ein paar der Chaoten gehen und das geht diesen besonders nahe- auch wenn sie es nie zugeben würden. Sie raufen, streiten und so oft, so, so, soooooo oft eskalieren die Streits, weil sie alle soooo, sooooo empfindlich sind. Wir Lehrer sind mit unserem Latein am Ende. Wir haben soooo tolle Stunden (was bin ich auch stolz auf sie?!?!?!) und so oft werde ich dann wieder bei den Fachlehrern reingerufen, weil sie die Bande nicht unter Kontrolle haben. Versteh ich. Die sind auch wirklich blöde manchmal.

Nachdem wir heute einen super guten Morgen hatten, bei dem einer der Jungs, der die Schule verlässt, meinte, es seien nur noch 25 Schultage, habe ich einen Countdown-Kalender erstellt. Als ich damit in die Klasse bin und ihn hochgehalten habe, ging das Geheule los:

“Boah, mach das weg, du deprimierst uns damit.”

“Das ist voll doof. Dann sind wir ja noch trauriger.”

“Jaaaa, Frau K., wie blöd und gemein.”

Ich habe den Kindern dann erklärt, dass der sie daran erinnern soll, dass es nur noch wenige Tage sind, die wir in Frieden und Freundschaft miteinander verbringen sollten. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich ihn wieder abhänge, sobald die Streitigkeiten nachlassen. *hust, räusper* Als ob…

Guter Lehrer, schlechter Lehrer

Ich denke mal, dieser Artikel wird genau so wie mein Hirn: matsch, müde und frei von jeder Sinnhaftigkeit. Dennoch ist er ein Lebenszeichen.

Denn ja, ich lebe! Manchmal sieht man mir das nicht mehr an. Manchmal atme ich auch nicht. Manchmal starre ich ins Leere. Manchmal…tagträume ich mich an einen besseren Ort. Fernab von Streitschlichtung, Zeugnisschreiben, Elterngesprächen und, und, und.

Ich weiß, mit der Verantwortung kommt die Arbeit. Und ich liebe es, die Chefin unseres Grundschulbereiches zu sein und ich liebe es noch mehr, Lehrerin zu sein. Aber beides ist manchmal soooooo anstrengend. Und dann noch die Eltern…puh!

Alle erwarten, dass ihre Kinder individuell unterrichtet werden, Material dreifach differenziert und das alles niemals frontal. Seit Monaten frag ich mich: Geht das? Kann man von Lehrern Individualisierung erwarten und gleichzeitig außer Acht lassen, dass diese selbst Individuen sind? Versteht mich nicht falsch: Kinder müssen individuell unterrichtet werden. Aber man kann Lehrer nicht in eine Rolle zwängen, die nicht zu ihnen passt. Und ist guter Frontalunterricht nicht besser, als halbherzig freier, total stark individualisierter Unterricht? Wahrscheinlich macht es wie immer die Mischung… Aber naja, solche Gedanken kommen einem halt im Alter.

Ich frage mich im Moment fast täglich, was einen guten Lehrer ausmacht. Ist es das Laminieren? Die bunten Bildchen? Die Geschenke vor den Ferien? Was ist es, was einige Lehrer erfolgreich macht, andere nicht?

Ich selbst gehörte im Leben schon immer zu den bequemeren Leuten. Durch die sechs Jahre Grundschule (in Berlin) bin ich ohne großen Aufwand durchgeschlendert. Das Gymnasium danach war nix für mich. Auf der Gesamtschule war alles leichter und auch hier galt eher: Hauptsache Abi. Gelernt habe ich für die Mathe-Prüfung. Lief mittelgut. Genauso war auch meine Abinote eher durchschnittlich. Einen Studienplatz habe ich trotzdem bekommen und als klar war, dass alle Bachelors auch einen Masterplatz bekommen würden (wir waren der erste Durchgang und die Uni wollte nicht als “unvorbereitet” dastehen), habe ich mich auch für diese Arbeit nicht wirklich ins Zeug gelegt. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich bis heute nicht, ob ich das Studium benötigt hätte. Jedenfalls keine fünf Jahre. Ich sage immer: Lehrer sein ist wie Autofahren. Das lernt man erst, wenn der Fahrlehrer weg und die Prüfung vorüber ist. (Ja, ihr dürft mich da gerne zitieren, vielleicht bringe ich es ja damit noch mal zu etwas). Genauso wie ich meine Schulzeit verbrachte, plane ich meinen Unterricht: wenig Aufwand, höchstmögliche Wirkung. Ohne Laminieren, mit schwarz-weißen Arbeitsblättern und ohne viel Suchen im Internet. So bin ich halt, andere sind anders.

Zurück zur Frage: Ich glaube heute mehr denn je, dass es die Authentizität ist, die einen guten Lehrer ausmacht und das Interesse an den Schülern. Ich meine damit: aufrichtiges Interesse.

Ich sage meinen Schülern zum Beispiel, wenn ich etwas sinnlos finde (Punkt-Vor-Strich??? Kommt im Alltag nun wirklich nicht vor). Zwinge sie, Dinge zu tun, wenn ich sie für sinnvoll halte (Briefe FEHLERFREI schreiben zum Beispiel). Weine, wenn ich weinen muss (Leute, das ist menschlich! Ich heule so oft, meine Kids wundert es nicht mal mehr und die Eltern auch nicht). Sage ihnen, wenn mich deren Verhalten überfordert. Nehme die Kids in den Arm, wenn sie oder ich das brauchen. Höre mir ihre Erlebnisse an und berichte viel von meinen (und by the way: es gibt keinen Grund, deinen Vornamen zum bestgehüteten Geheimnis der Welt zu machen und es interessiert Kids sehr, was deine Tattoos bedeuten, wie deine Meerschweinchen heißen und dass du auch mal schlecht in der Schule warst). Wenn sie dich erstmal mögen, stört es sie auch weniger, wenn du meckerst. Wennn du dich entschuldigen kannst, können sie sich auch leichter entschuldigen. Wenn du Niederlagen wegstecken kannst, tun ihnen Niederlagen auch nicht mehr so doll weh. Und dann braucht man auch keine laminierten Bildchen mehr- außer der Lehrer hat Freude daran, das schwappt natürlich über.

Ich bin zurfrieden, mit diesem Artikel, auch wenn er nicht das ist, was er werden sollte. Aber ich glaube, die Erinnerung, man selbst zu sein, kommt immer zum richtigen Zeitpunkt. Also: sei es. Sei du! Vor allem jetzt im Endspurt. Es ist okay, wenn du gestresst bist. Es ist okay, wenn dir zum Heulen ist und es ist okay, hysterisch loszulachen. Es ist okay, Dinge durchgehen zu lassen, weil die Kraft fehlt und mehr zu meckern, weil die Geduld fehlt. Just love yourself and the kids. That’s it!

Es ist auch okay, Tippfehler zu machen. Denn es ist Freitagabend und du bist kaputt…

Am dritten Tage auferstanden – ein Nachruf

…oder auch nicht.

Seit anderthalb Jahren ist meine Klasse stolze Besitzerin eines Terrariums. Nachdem unsere drei Schnecken (benannt nach ehemaligen Lehrern) letzten Frühling nach ihrem Winterschlaf Eier ohne Ende gelegt hatten und ich meine Sommerferien damit verbrachte, Schnecken an Schneckenliebhaber abzugeben (da muss man erstmal welche finden), dauerte der Winterschlaf in diesem Jahr waaaahnsinnig lange. Ich meine: So kalt war der Klassenraum nun auch nicht mehr. Im Gegenteil. Frühling drinnen, Winter draußen. Doch die Schnecken haben geschlafen. Regelmäßig kamen Kollegen zu mir und haben mir erzählt, dass die Schnecken sicher tot seien. Mein Schwiegermama hat gegooglet und herausgefunden, dass die Schnecken tot sind. Selbst Dominic, zehnjähriger Schneckenexperte (“Frau K., ich habe doch in der zweiten den Schneckenführerschein als erstes fertig gehabt…”), wusste: Tot. Mausetot.

Irgendwann konnte auch ich es nicht mehr leugnen. Wir mussten sie beerdigen. Da Annalena ein großes Herz für Tiere hat und auch gerne in der Erde wühlt, bat ich sie, die Schnecken zu vergraben… tat sie auch. Offenbar mit einer meiner Fliegenklatschen (auffällig viel Erde dran) und meinem Bonbon-Glas (auffällig viel verschwunden). Wir trauerten, wir nahmen Abschied, wir schrieben einen Artikel für die Schülerzeitung, als…

Ich sitze im Elterngespräch, Frau Beete (Mitarbeiterin im Hort und Küchenfee) stürmt rein: “Frau K., nach dem Gespräch musst du unbedingt noch mal zu mir kommen.”

Ich also hin. Steht da ein Karton. Darin: Eine Schnecke. Die große.

Frau Beete: “Die hat sich anscheinend hochgebuddelt. Wir haben sie bei Mali im Spind gefunden. Die musst du jetzt mit nach Hause nehmen.”

Also nahm ich die Schnecke mit nach Hause (und gab sie meiner Schwiegermutter, damit sie sie ihrer Enkelin weitergeben konnte) und ging einen Tag später wieder in die Schule:

Lara: “Duhuuu, Frau K., die Schnecken leben wieder.”

Ich: “Jops, schon gehört.”

Lara: “Die aus der siebten haben sie wieder ins Terrarium gepackt. Aber sie hat keinen Kopf mehr. Den haben die Vorschüler abgehauen.”

Ich: “Na, das bezweifle ich doch sehr.”

Im Terrarium befand sich dann tatsächlich auch die andere Schnecke- mit Kopf. Die hat jetzt ein neues Zuhause bei einer Schülerin gefunden. Den Bericht für die Schülerzeitung mussten wir ändern- in einer Wundergeschichte. Ich bin mir nicht sicher, wieso Schnecken im warmen Zimmer schlafen und aufwachen, wenn sie in kalte Erde gebuddelt werden. Ich bin auch nicht sicher, ob es wirklich noch unsere Schnecken sind oder andere Wesen von ihnen Besitz ergriffen haben und überhaupt…das mit dem “am dritten Tage auferstanden von den Toten” gab es auch schon mal…

Auf jeden Fall steht fest: Nie wieder Klassenhaustiere (außer vielleicht Urzeitkrebse).

Wer bin ich? -Das Spiel.

Da mein Auto vor kurzem in der Werkstatt war, nahm mich meine Kollegin Frau Krokus des Öfteren mit. Auf diesen Fahrten hatten wir viel Zeit uns über die Schule, die Kids, die Kollegen und auch die Eltern zu unterhalten…und naja, manchmal auch um Quizduell zu spielen.

Bei diesen langen Fahrten ist uns aufgefallen, wie nah man den Kindern kommt im Laufe der Jahre, wieviele Eigenschaften man bei den Kindern wahrnimmt- sowohl positive als auch…naja, sagen wir mal: manchmal anstrengende.

Ich habe von einer Situation berichtet, die sich im Schulgebäude im Treppenhaus auf dem Weg nach oben zu den Klassenräumen zugespielt hat:

“Hallo, Ms K.. Du, was heißt eigentlich Katzenkloschaufel?”

– “Ähhh…hä?Wie, was heißt eigentlich Katzenkloschaufel?”

“Naja, was heißt das?”

– “Was eine Katzenkloschaufel ist oder was?”

“Nee, was heißt das. Auf Englisch? Das weißt ja nur du.”

– “Ahhhh. Ohhh, tut mir Leid. Das weiß ich gar nicht.”

Erschreckenderweise wusste Frau Krokus sofort, dass das nur Annabelle aus ihrer Klasse gewesen sein konnte, weil sie “immer von ihrer Katze spricht.”

Eine ähnliche Situation hatten wir auf der nächsten Heimfahrt:

Frau Krokus: ” Ich habe der Klasse dann was erklärt, mich zum Smartboard umgedreht und auf einmal höre ich Häh, häh, häh.”

…und sofort wusste ich, dass das in meiner Klasse Marc gewesen sein muss.

Davon gibt es unendlich viele Beispiele. Einige davon, bei denen ich weiß, dass es eigentlich nicht gut ist, sofort zu wissen, von wem die Kollegen sprechen, weil die Kids schon so vorbelastet sind mit unseren Urteilen, unseren Negativerwartungen und ihrer Rolle in der Klasse (z.B. wenn mir jemand erzählt, einer sei zu spät aus der Pause gekommen oder, dass ein anderer aus dem Sitzkreis geflogen ist, weil er Widerworte gegeben hat usw.). Ich habe mich schon häufiger gefragt, ob Schüler ab einem gewissen Alter nicht einfach anfangen, sich mit ihrer Rolle abzufinden und unsere Erwartungen zu erfüllen. Das wäre schade- aber ich liebe die Monster ja nicht weniger, nur weil sie kleine Ecken und Kanten haben. Ganz im Gegenteil.

Und weil Sharing caring ist, hier noch der Test, ob ihr folgende Schüler erkennt:

Erstens:

Lehrer: “Wer möchte mit Stille Post beginnen?…Ahhh, okay, du!”

Schüler: “….”

Schüler: “Es wäre schön, wenn du erst nachdenkst und dich dann meldest.”

Zweitens:

Lehrer: “Auch ihr hört jetzt auf zu quatschen, bitte.”

Zwei Minuten später:

Lehrer: “Wieviele Ermahnungen braucht ihr denn? Ihr setzt euch jetzt auseinander.”

Schüler: “Hä? Du hast uns gar nicht ermahnt. Das ist ja jetzt mal richtig fies und gemein.”

Drittens:

Schüler: “Frau K. *schnief, schnief* Mir geht es nicht guuuuut. Kannst du meine Mama anrufen?”

Lehrer: “Wir haben schon längst besprochen, dass wir durchschaut haben, dass du immer nur vor Sport plötzliche Krankheiten hast.”

Schüler: “Ja okay, dann geh ich mal.”

Viertens:

Lehrer: “Denkt bitte daran, dass ihr die Plakate bis Donnerstag fertig haben sollt.”

Schüler: “Hab ich schon lääääängst!”

Na, ich bin sicher, ihr erkennt zumindest einen wieder.

Pausengespräch

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Quelle: Pexel

“Hi, Frau K.”

-“Hi, Leo. Wie geht´s? Hast du dein Plakat mitgebracht?”

“Ach Mist. Hab ich vergessen. Aber, ich wollte dich sowieso mal was fragen. Und das ist deine Chance, mir auch mal was beizubringen.”

-“Juhuu, endlich. Was denn?”

“Was ist der Unterschied zwischen Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis?”

-“Hmmm, gute Frage. Also, im Langzeitgedächtnis bleiben Informationen gespeichert, die du dann auch später abrufen kannst. Dein Name zum Beispiel oder wie man Fahrrad fährt. Aber auch andere Dinge, die du einmal lernst und nicht mehr vergisst. Wie die Hauptstadt von Deutschland heißt und so weiter. Manche Sachen schaffen es nicht ins Langzeitgedächtnis und bleiben nur kurz gespeichert. Zum Beispiel, wenn ich sage, dass du morgen dein Plakat mitbringen sollst.” (Augenzwinkern)

“Ach, Frau K. Das war ja mal klar, dass sowas jetzt von dir kommt. Nie kannst du ernst bleiben. Aber danke. Ich habe es jetzt ein bisschen besser verstanden. Endlich hast du mir mal was beigebracht. Du weißt ja, in Mathe bin ich tausendmal besser als du. Obwohl das ja eigentlich DEIN JOB ist.”

So sprach er und hüpfte davon. Er wird so gut aufgehoben sein auf dem Gymnasium, auf das er bald geht.

Können wir das schaffen?

Es ging wieder los und sofort war die Schule wieder der Mittelpunkt meines Lebens, mein zweites Wohnzimmer, meine Kolleginnen wie mein Ehemann (nur weniger sexy- sorry girls) und die Kinder meine…Kinder.

Das Wichtigste vorwegs: Tina ist nicht mehr in Timo, sondern in Leonard. Deshalb ist Timo jetzt sauer. Dabei war der ja eh in Tina und Joice. Karina ist jetzt aber neuerdings in Filip. Der auch in sie. Und Finn und Rana sind auch zusammen- das darf aber keiner wissen.

Außerdem fanden in unserem Klassenraum gestern staubige Bauarbeiten statt. Hab ich im Morgenkreis sofort bemerkt:

“Also, wenn euer Hals trocken wird, steht einfach auf und trinkt was!”

– “Ich hab ja ne Stauballergie.”

– “Ich habe Asthma.”

– “Mein Hals ist schon trocken. Hust hust hatschi.”

– “Mein Arm juckt.”

“Ähhh…sieht aus wie Windpocken.”

– “Neee, Windbeutel hatte ich schon in der Kita. Ich bin doch gegen meine neue Creme allergisch.”

“Also kommt das daher und nicht vom Staub?”

– “Ähhh ja, das hab ich schon ne Woche.”

(Notiz: Mal bei Eltern nachfragen.)

Unterricht *hust* lief dann bis auf *hust* wenige leidende Ausnahmen.

Wie schon Bob der Baumeister sagte: “Jo, wir schaffen das.”

*Bildquelle: https://www.synchronkartei.de/serie/14931

Was kommt nach der Grundschule?

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Die Arbeit, die diese Frage mit sich bringt, habe ich ehrlich gesagt unterschätzt. Schon zum Ende der dritten Klasse ging es bei einigen Eltern langsam los, dass sie begannen mal vorsichtig nachzufragen, wie es schulisch um ihr Kind steht. Da an unsere Grundschule ein Gymnasium angeschlossen ist, ist uns als Schule natürlich daran gelegen, so viele Kinder wie möglich mit hoch zu nehmen. Aber nicht auf Biegen und Brechen. Meiner Meinung nach muss ein Gymnasialschüler mehr mitbringen, als nur “klug” zu sein. Bei uns sind da die Leistungsbereitschaft/Motivation, das Sozialverhalten, das Regelverhalten und der Lernstand des Kindes in die Einstufung eingeflossen. Und einige Eltern sind aus den Latschen gekippt- was ich nicht verstehe. Wenn wir seit Jahren regelmäßig Gespräche führen, in denen es darum geht, dass das Kind Aggressionsprobleme hat (und jaaaa, es hat sich verbessert, aber es ist immer noch frech wie Sau), kann ich es nicht ruhigen Gewissens auf ein Gymnasium schicken. Wenn ein Schüler bei jeder kleinen Kritik wütend aus der Klasse läuft, kann ich es nicht aufs Gymnasium schicken. Wieso überrascht das die Eltern plötzlich so? Haben sie die letzten sechs Zeugnisse nicht gelesen? Die Elternsprechtage verdrängt? Und: Die letztendliche Entscheidung liegt ja sowieso bei den Eltern und ich finde der Besuch einer Gesamtschule ist schon deshalb eine Überlegung wert, weil die Kinder ein Jahr mehr Zeit haben bis zum Abitur. Eltern: Bitte entspannt euch! Für eure Kinder. Es ist nicht das Ende der Welt und ein Großteil der Kinder wird trotzdem Abitur machen, wenn sie es wollen. Nur jetzt, zu diesem Zeitpunkt, sind noch nicht alle so weit. Ist doch kein Ding. Das kann noch werden….und wird sicher auch noch!

Nicht nur bei den Eltern, auch bei den Kindern war es das Thema im Herbst. Fragen wie: “Komm ich aufs Gymnasium?” und: “Heino, hast du´s geschafft?” waren an der Tagesordnung. Mehr als einmal haben wir besprochen, welche Bedingungen ein Kind erfüllen muss, damit es eine Gymnasialempfehlung bekommt. Dass es nicht bedeutet, dass wir das Kind für dumm halten, wenn es keine bekommt und dass man auch an einer Gesamtschule Abitur machen kann und sogar mehr Zeit dafür hat. Dass die Eltern das Kind trotzdem an einem Gymnasium anmelden können und viele Gymnasien -unseres auch nach Rücksprache mit den Lehrern- auch Kinder ohne Gymnasialempfehlung annehmen. Am Ende, so schien es, haben die Kinder die Empfehlungen besser verstanden und nachvollziehen können als viele Eltern.

Tatsächlich erreichten uns nach den Empfehlungsgesprächen Anfragen wie: “Ich habe ja das Gefühl, dass das Halbjahreszeugnis immer ein wenig schlechter geschrieben wird, damit zum Schuljahresende eine Verbesserung deutlich wird. Es wäre schön, wenn Sie bedenken, dass die Kinder sich ja mit dem kommenden Zeugnis für die weiterführenden Schulen bewerben müssen.” (Es wäre auch schön, wenn Ihre Tochter die Bedingungen erfüllt hätte, die wir gestellt haben, damit sie die Gym-Empfehlung bekommt. Das Potential ist da, aber…tja….).  Oder Anfragen wie: “Wir haben für Constantin jetzt eine andere Privatschule gefunden, eine gaaaaanz tolle Schule. Die nehmen aber wirklich nur Kinder, mit Gymnasialempfehlung. Das ist nicht zufällig irgendwie möglich?” -Nope, isses nich. Und Ihrem Sohn tun Sie auch keinen Gefallen damit ihn auf eine Eliteschule zu schicken, wo eine Unterrichtssprache Spanisch ist.

Insgesamt wollen und dürfen ein Großteil der Kinder bei uns bleiben. Manchmal wollen die Eltern das nicht. Manchmal ist der Schulweg weit. Manchmal möchte auch ein Kind wechseln. Wir versuchen nun die Kinder ein wenig auf die weiterführende Schule, welche auch immer, vorzubereiten. Die Kinder sollen auch mal -allerdings freiwillig- zu Hause arbeiten (offiziell gibt es an unserer Grundschule keine Hausaufgaben). Tests dürfen sich nicht mehr ewig und zwei Tage hinziehen (grundsätzlich stehen wir für ein druckfreies Lernen und finden 100% richtige Antworten immer super, egal ob das Kind 20 Minuten oder 1,5 Stunden gebraucht hat) und in Englisch werden erste Vokabeltests geschrieben, obwohl das für den Englischunterricht in der Grundschule nicht vorgesehen ist. Das alles soll, so unsere Idee, den Übergang aufs Gymnasium ein wenig erleichtern. Die Eltern sind dankbar und die Kinder freuen sich über die Hausaufgaben (“Das ist ja jetzt, wie bei richtigen Schulkindern.”).

Nun bin ich gespannt auf die tatsächlichen Anmeldezahlen für die 5. Klasse aus unserer Klasse. Aber mein Gefühl ist gut- zumal Frau Radieschen die Klasse vermutlich in der 5.Klasse weiterführt und das noch etwas ist, was dem Großteil der Eltern gefallen dürfte.